Mikrodosierung: kleine Mengen über den Tag verteilt

Mikrodosierung ist ein Muster, keine Menge. Der Begriff beschreibt, wie eine Tagesmenge verteilt wird, und nicht, wie groß sie ist.

Geprüft von Bernard Vos am

Zuletzt aktualisiert am

Was Mikrodosierung beschreibt

Mikrodosierung bezeichnet ein Verteilungsmuster: eine Tagesmenge wird auf mehrere kleine Einnahmen aufgeteilt statt auf eine einzelne. Der Begriff beschreibt die Aufteilung, nicht die Höhe der Menge.

Ein rechnerisches Beispiel macht den Unterschied sichtbar. Sechs Milligramm lassen sich an einem Zeitpunkt einnehmen oder auf drei Zeitpunkte zu je zwei Milligramm verteilen. Die Tagesmenge bleibt in beiden Fällen gleich, der Verlauf im Blut unterscheidet sich.

Eine feste Grenze für den Begriff existiert nicht. Manche Quellen nennen fünf Milligramm pro Einnahme, andere zehn. Eine wissenschaftliche Festlegung gibt es dafür nicht.

Woher der Begriff stammt

Der Ausdruck stammt aus der Diskussion über andere Substanzen und wurde auf Cannabidiol übertragen. Diese Herkunft erklärt einen Teil der Unschärfe.

Bekannt wurde das Wort durch Berichte über sehr kleine Mengen psychoaktiver Substanzen. Dort bezeichnet eine Mikrodosis meist einen Bruchteil einer üblichen Menge, oft in einem festen Rhythmus über Wochen.

Für Cannabidiol passt diese Herleitung nur bedingt. Die Stoffe unterscheiden sich in Aufnahme, Abbau und Wirkprofil. Was bei einer Substanz als kleiner Bruchteil gilt, lässt sich nicht auf eine andere übertragen.

In der Fachliteratur zu Cannabidiol taucht der Begriff kaum auf. Dort wird über Milligramm pro Tag und über Einnahmeintervalle gesprochen, nicht über Mikrodosen.

Der rechnerische Kern

Hinter dem Muster steht eine reine Verteilungsrechnung, und die lässt sich in einer Tabelle abbilden.

MusterAufteilung einer Tagesmenge von 6 mgMerkmal
Ein Zeitpunkt6 mg auf einmalein deutlicher Anstieg, danach Abfall
Zwei Zeitpunkte2 × 3 mgflacherer Verlauf über 24 Stunden
Drei bis fünf Zeitpunkte3 × 2 mg oder kleinergleichmäßigster Verlauf, mehr Aufwand

Die Umrechnung von Tropfen in Milligramm steht unter Milligramm pro Tropfen. Bei Kapseln ist eine feine Aufteilung nicht möglich, da der Gehalt pro Stück feststeht.

Was dahinter an Pharmakologie steckt

Der Gedanke hinter der Aufteilung ist ein gleichmäßigerer Verlauf im Blut, nicht eine größere Gesamtmenge. Dieses Prinzip ist allgemein pharmakokinetisch und nicht spezifisch für Cannabidiol.

Nach einer einzelnen Einnahme steigt der Wert im Blut an, erreicht ein Maximum und fällt danach ab. Mehrere kleine Einnahmen erzeugen mehrere kleinere Anstiege. Der Verlauf über den Tag wird dadurch flacher.

Für Cannabidiol beschreiben die pharmakokinetischen Übersichtsarbeiten allerdings eine große Streuung zwischen Personen (Quelle: Millar et al., 2018). Ein Muster, das bei einer Person zu einem gleichmäßigen Verlauf führt, muss das bei einer anderen nicht tun.

Hinzu kommt die Aufnahme selbst. Wie viel überhaupt in den Blutkreislauf gelangt, hängt vom Einnahmeweg und von der Mahlzeit ab, wie unter Bioverfügbarkeit beschrieben.

Wo die Belege enden

Für Cannabidiol fehlen kontrollierte Studien, die ein verteiltes Muster gegen eine einzelne Einnahme vergleichen. Diese Lücke gehört zur ehrlichen Darstellung dazu.

Die vorliegenden klinischen Untersuchungen arbeiteten überwiegend mit festen Milligramm-Mengen pro Tag, häufig in ein oder zwei Gaben. Ein systematischer Vergleich verschiedener Verteilungsmuster war selten das Ziel.

Berichte aus Anwendergemeinschaften ersetzen solche Vergleiche nicht. Sie enthalten keine Kontrollgruppe, keine verblindete Zuordnung und keine standardisierten Messungen.

Auch die Erwartungshaltung spielt mit. Wer eine Routine bewusst plant und beobachtet, nimmt Veränderungen aufmerksamer wahr. Dieser Anteil lässt sich ohne Kontrollbedingung nicht vom Rest trennen.

Praktische Punkte des Musters

Unabhängig von der Beleglage hat die Aufteilung praktische Folgen, und die sind gut beschreibbar.

Mehr Handgriffe. Drei bis fünf Zeitpunkte pro Tag verlangen Planung. Im Berufsalltag ist das ein realer Aufwand.

Feinere Abstufung nötig. Kleine Einzelmengen setzen ein niedrig konzentriertes Öl voraus. Bei hoher Prozentangabe ist der kleinste Schritt größer, wie unter CBD-Konzentration erklärt.

Gleiche Bedingungen halten. Wer ein Muster über Wochen beibehält, kann Veränderungen eher einordnen als bei täglich wechselndem Ablauf.

Notizen helfen. Datum, Zeitpunkt, Menge und Beobachtung in einer Zeile machen einen Verlauf nachvollziehbar.

Was Mikrodosierung nicht ist

Der Begriff beschreibt keine Wirkung, keine Empfehlung und keine geprüfte Methode. Drei Abgrenzungen sind dabei wichtig.

Mikrodosierung ist kein Sicherheitsversprechen. Kleine Einzelmengen ändern nichts daran, dass Cannabidiol Enzyme der Cytochrom-P450-Familie beeinflusst. Diese Enzyme sind am Abbau vieler Arzneimittel beteiligt, wie unter Wechselwirkungen beschrieben.

Mikrodosierung ist auch keine Aussage über unerwünschte Begleiterscheinungen. Die Sicherheitsübersicht von Iffland und Grotenhermen führt unter anderem Müdigkeit, veränderten Appetit und Verdauungsbeschwerden auf, häufiger bei höheren Mengen (Quelle: Iffland & Grotenhermen, 2017). Für sehr kleine Einzelmengen liegen dazu kaum eigene Daten vor.

Und schließlich ist der Begriff keine Mengenempfehlung. CBDviva nennt keine Mengen. Die dahinterliegenden Begriffe stehen unter CBD-Dosierung.

Wann fachlicher Rat angebracht ist

Bei diesen Punkten gehört die Entscheidung in fachliche Hände, unabhängig vom gewählten Muster.

  • bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten
  • bei bestehenden Erkrankungen, besonders der Leber
  • in Schwangerschaft und Stillzeit, siehe CBD in der Schwangerschaft
  • bei Kindern und Jugendlichen
  • bei ungewohnten Reaktionen nach der Einnahme

Apotheken haben Zugriff auf Interaktionsdatenbanken und können eine konkrete Medikamentenliste einordnen. Eine Verkaufsberatung ersetzt das nicht.

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Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Quellen

  1. 1.StudieA systematic review on the pharmacokinetics of cannabidiol in humansFrontiers in Pharmacology (). DOI: 10.3389/fphar.2018.01365
  2. 2.StudieAn update on safety and side effects of cannabidiol: a review of clinical data and relevant animal studiesCannabis and Cannabinoid Research (). DOI: 10.1089/can.2016.0034