CBD-Bioverfügbarkeit: was im Blutkreislauf ankommt
Auf dem Etikett steht, wie viel Cannabidiol im Produkt ist. Wie viel davon im Blut ankommt, steht dort nicht. Genau diese Lücke beschreibt die Bioverfügbarkeit.
Geprüft von Bernard Vos am
Zuletzt aktualisiert am
Was Bioverfügbarkeit bedeutet
Bioverfügbarkeit ist der Anteil einer eingenommenen Menge, der unverändert in den Blutkreislauf gelangt. Der Wert wird in Prozent angegeben und bezieht sich immer auf einen bestimmten Einnahmeweg.
Ein Rechenbeispiel macht das greifbar. Nehmen Sie 20 mg Cannabidiol ein, und der Anteil liegt bei 10 Prozent, dann erreichen rund 2 mg den Blutkreislauf. Die übrigen 18 mg werden nicht aufgenommen oder vorher umgebaut.
Als Bezugsgröße gilt die Gabe direkt in die Vene. Dort beträgt der Anteil definitionsgemäß 100 Prozent. Jeder andere Weg liegt darunter, und bei Cannabidiol fällt der Abstand deutlich aus.
Warum der Einnahmeweg so viel verändert
Der Unterschied zwischen den Einnahmewegen entsteht durch die Anatomie der Aufnahme, nicht durch die Qualität des Produkts. Jeder Weg hat eigene Hürden.
Geschluckte Mengen wandern über Magen und Darm in die Pfortader. Von dort geht es zuerst in die Leber. Enzyme der Cytochrom-P450-Familie bauen einen Teil des Cannabidiols dort um, bevor es den restlichen Körper erreicht. Dieser Vorgang heißt First-Pass-Effekt.
Über die Mundschleimhaut aufgenommene Anteile nehmen einen anderen Weg. Die Gefäße unter der Zunge münden in den großen Kreislauf, ohne die Leber vorher zu passieren. Die Technik dazu steht unter sublinguale Einnahme.
Auf der Haut aufgetragene Mengen bleiben weitgehend in der Hautschicht. Cannabidiol ist fettlöslich und überwindet die Hautbarriere schlecht. Kosmetische Produkte sind deshalb auf die äußere Anwendung ausgerichtet, nicht auf Blutspiegel.
Die Zahlen aus der Forschung
Die systematische Auswertung der pharmakokinetischen Humanstudien nennt für die einzelnen Einnahmewege sehr unterschiedliche Bereiche (Quelle: Millar et al., 2018). Die folgenden Werte sind Größenordnungen, keine festen Konstanten.
| Einnahmeweg | Berichteter Anteil im Blutkreislauf | Zeitliches Muster |
|---|---|---|
| Geschluckt (Kapsel, Lebensmittel) | rund 6 Prozent | langsamer Anstieg über ein bis drei Stunden |
| Über die Mundschleimhaut | rund 13 bis 19 Prozent | Anstieg meist innerhalb einer Stunde |
| Inhalativ | grob 11 bis 45 Prozent, im Mittel rund 31 Prozent | Anstieg innerhalb weniger Minuten |
| Auf der Haut | praktisch keine messbare Aufnahme in den Kreislauf | keine systemische Kurve |
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens stammen die Werte aus kleinen Untersuchungsgruppen mit unterschiedlichen Präparaten. Zweitens streuen die Einzelwerte innerhalb einer Gruppe erheblich.
Was die Aufnahme zusätzlich verschiebt
Neben dem Einnahmeweg verändern mehrere Faktoren, wie viel Cannabidiol den Kreislauf erreicht.
Fett in der Mahlzeit ist der am besten belegte Faktor. In einer kontrollierten Untersuchung stiegen die gemessenen Blutwerte nach einer fettreichen Mahlzeit deutlich stärker als im nüchternen Zustand (Quelle: Taylor et al., 2018). Cannabidiol ist fettlöslich, und Nahrungsfette verändern die Aufnahme im Darm.
Das Trägeröl spielt mit. MCT-Öl ist dünnflüssig und verteilt sich schnell im Mund. Hanfsamenöl ist zäher und schmeckt kräftiger. Für die Aufnahme über die Mundschleimhaut ist die Fließfähigkeit ein praktischer Punkt.
Die Formulierung kann den Wert verschieben. Nanoemulsionen und liposomale Ansätze zielen darauf, die Aufnahme zu verbessern. Belastbare Vergleichsdaten zwischen Konsumprodukten fehlen bislang weitgehend.
Persönliche Faktoren wie Leberfunktion, gleichzeitig eingenommene Arzneimittel und genetische Unterschiede in den P450-Enzymen wirken ebenfalls. Sie erklären, warum zwei Personen bei gleicher Menge unterschiedliche Blutwerte zeigen.
Warum Milligramm nicht gleich Milligramm ist
Zwei Produkte mit identischer Milligramm-Angabe erzeugen nicht denselben Blutspiegel, weil der Einnahmeweg dazwischensteht. Die Etikettangabe beschreibt den Inhalt der Packung, nicht das Ergebnis im Körper.
Wer von Öl auf Kapseln wechselt, ändert damit den Weg und nicht nur die Form. Bei gleicher Milligramm-Zahl fällt der Anteil im Kreislauf beim Schlucken nach den vorliegenden Daten niedriger aus.
Für den Produktvergleich heißt das: Milligramm, Einnahmeweg und Zeitpunkt gehören zusammen betrachtet. Die Umrechnung von Prozent zu Milligramm steht unter Milligramm pro Tropfen, die Einordnung der Prozentstufen unter CBD-Konzentration.
Zeitverlauf und wiederholte Einnahme
Bioverfügbarkeit beschreibt eine Menge, der Zeitverlauf beschreibt ihre Verteilung über Stunden. Beide Größen gehören zusammen.
Nach einmaliger Einnahme steigt der Wert im Blut an, erreicht ein Maximum und fällt wieder ab. Wann das Maximum liegt, hängt vom Einnahmeweg ab. Studien berichten für Cannabidiol Halbwertszeiten im Bereich von etwa einem Tag, mit großer Streuung je nach Präparat und Einnahmemuster.
Bei täglicher Einnahme über mehrere Tage stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Zufuhr und Abbau ein. Der Verlauf wird dadurch gleichmäßiger als nach einer einzelnen Gabe. Verteilungsmuster über den Tag beschreibt die Seite Mikrodosierung.
Cannabidiol verteilt sich außerdem in Fettgewebe. Nach längerer Anwendung kann die Abgabe aus diesem Speicher den Abfall verlangsamen.
Was das Analysezertifikat dazu sagt
Ein Laborbericht belegt den Gehalt im Produkt, er sagt nichts über die Aufnahme im Körper. Beide Fragen werden häufig vermischt.
Der Bericht nennt Cannabinoide pro Gramm oder pro Milliliter und dokumentiert Rückstandsprüfungen. Diese Werte sind messbar und überprüfbar. Wie viel davon in Ihren Kreislauf gelangt, hängt von Einnahmeweg, Mahlzeit und persönlichen Faktoren ab. Worauf Sie im Bericht achten können, steht unter Analysezertifikat lesen.
Grenzen der Zahlen
Die Prozentwerte sind Orientierungsgrößen aus der Forschung, keine individuellen Vorhersagen. Drei Punkte begrenzen ihre Aussagekraft.
Die Untersuchungsgruppen waren klein, und die verwendeten Präparate unterscheiden sich von frei verkäuflichen Produkten. Ein Teil der Daten stammt aus Studien mit hochgereinigtem Cannabidiol unter ärztlicher Aufsicht.
Die Streuung zwischen Personen ist groß. Übersichtsarbeiten weisen ausdrücklich darauf hin (Quelle: Millar et al., 2018). Angaben zu unerwünschten Begleiterscheinungen finden sich in der Sicherheitsübersicht von Iffland und Grotenhermen (Quelle: Iffland & Grotenhermen, 2017) sowie unter Nebenwirkungen.
Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, ist die Rücksprache mit der Apotheke der richtige Schritt. Der Hintergrund steht unter Wechselwirkungen.
Verwandte Themen
- CBD-Anwendung: Formen und Einnahme
- CBD-Dosierung: Begriffe und Grundlagen
- Sublinguale Einnahme unter der Zunge
- Cannabidiol: das Molekül im Profil
- Alles zum Thema CBD im Überblick
Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Quellen
- 1.StudieA systematic review on the pharmacokinetics of cannabidiol in humans — Frontiers in Pharmacology (). DOI: 10.3389/fphar.2018.01365
- 2.StudieA phase I, randomized, double-blind, placebo-controlled, single ascending dose, multiple dose, and food effect trial of cannabidiol in healthy subjects — Clinical Drug Investigation (). DOI: 10.1007/s40261-018-0700-y
- 3.StudieAn update on safety and side effects of cannabidiol: a review of clinical data and relevant animal studies — Cannabis and Cannabinoid Research (). DOI: 10.1089/can.2016.0034