THC-Grenzwert 0,3 Prozent: Regeln für CBD
Für Nutzhanf und daraus hergestellte CBD-Produkte gilt in Deutschland seit dem KCanG die Grenze von 0,3 Prozent THC. Für Lebensmittel kommen eigene EU-Höchstwerte in Milligramm pro Kilogramm dazu.
Geprüft von Bernard Vos am
Zuletzt aktualisiert am
Was der 0,3-Prozent-Grenzwert bedeutet
CBD-Produkte aus EU-zertifiziertem Nutzhanf mit höchstens 0,3 Prozent THC fallen in Deutschland nicht unter das Konsumcannabisgesetz und sind frei handelbar. Die Grenze steht in der Nutzhanf-Definition des § 1 Nr. 8 KCanG. Oberhalb der Grenze gilt das Produkt rechtlich als Cannabis mit allen Folgen für Handel und Besitz.
Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar. Ein 10-Milliliter-Fläschchen Vollspektrum-Öl mit 0,1 Prozent THC enthält rund 10 Milligramm THC insgesamt. Das liegt weit unter jeder rauschrelevanten Menge und deutlich unter der gesetzlichen Grenze.
Für Sie als Käufer ist der Wert die zentrale Prüfgröße. Jedes seriöse Produkt weist ihn pro Charge in einem Laborbericht nach.
Woher die Grenze kommt
Der Wert 0,3 Prozent stammt aus der EU-Agrarpolitik und wurde 2024 in das deutsche Cannabisrecht übernommen. Für den Hanfanbau harmonisierte die EU die THC-Obergrenze im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik, seit der Förderperiode 2023 gilt 0,3 Prozent. Das KCanG übernahm diesen Wert in seine Nutzhanf-Definition.
Vor 2024 arbeitete die deutsche Praxis mit 0,2 Prozent als Bezugsgröße für Endprodukte. Diese ältere Linie ist durch die KCanG-Liberalisierung faktisch überholt. Einzelne Behörden und Labore nutzen 0,2 Prozent noch als Vorsichtsmaßstab, die aktuelle Rechtslage bestätigt jedoch 0,3 Prozent.
Der Grenzwert bezieht sich auf die Pflanze und das Produkt, nicht auf die Substanz CBD selbst. Was THC von CBD unterscheidet, erklärt das Molekülprofil THC.
Die zweite Ebene: Höchstwerte im Lebensmittelrecht
Für Lebensmittel gelten zusätzlich absolute THC-Höchstgehalte aus der Verordnung (EU) 2023/915, gerechnet in Milligramm pro Kilogramm. Seit Anfang 2023 gilt: höchstens 3 Milligramm Delta-9-THC-Äquivalente pro Kilogramm für Hanfsamen und Hanfsamenprodukte. Für Hanfsamenöl liegt der Wert bei 7,5 Milligramm pro Kilogramm.
Diese Werte betreffen CBD-Öle auf Hanfsamenöl-Basis direkt. Ein Öl kann die 0,3-Prozent-Grenze einhalten und trotzdem am Kontaminanten-Höchstwert scheitern, denn die Maßstäbe sind unabhängig voneinander. Hersteller müssen beide Ebenen pro Charge prüfen.
Als toxikologische Referenz dient die akute Aufnahmemenge der EFSA von 1 Mikrogramm THC pro Kilogramm Körpergewicht. Sie ist keine Verbotsgrenze, sondern der Sicherheitsmaßstab hinter den Höchstwerten.
Strafrecht: die 7,5-Gramm-Schwelle
Strafrechtlich relevant wird THC in Deutschland erst ab der nicht geringen Menge von 7,5 Gramm. Der Bundesgerichtshof hat diese Schwelle auch unter dem KCanG bestätigt (BGH, 1 StR 106/24). Sie stammt aus dem Betäubungsmittelrecht und gilt für die verschärften Strafnormen des neuen Gesetzes weiter.
Mit regulären CBD-Produkten ist dieser Wert praktisch unerreichbar. Selbst hundert Fläschchen Öl mit THC-Spuren bleiben weit darunter. Denkbar wird die Schwelle nur bei Bulk-Mengen oder hochkonzentrierten Pasten mit erhöhtem THC-Gehalt. Für Endkunden im Fachhandel besteht kein strafrechtliches Risiko.
Das Analysezertifikat als Nachweis
Ob ein Produkt die THC-Grenzen einhält, belegt allein das Analysezertifikat der jeweiligen Charge. Ein vollständiger Laborbericht zeigt das Cannabinoid-Profil: CBD, THC und Begleitstoffe wie CBG oder CBN. Der THC-Wert erscheint als Prozentsatz oder in Milligramm pro Gramm.
Bei einem Vollspektrum-Öl mit 5 Prozent CBD liegt der THC-Wert eines regulären Produkts typischerweise deutlich unter 0,2 Prozent. Bei Breitspektrum-Produkten und Isolaten gehört der THC-Wert auf null oder unter die Nachweisgrenze. Die Spektrum-Unterschiede erklärt die Übersicht CBD-Spektrum.
Wie Sie einen solchen Bericht Schritt für Schritt lesen, zeigt das Analysezertifikat. Fehlt ein aktueller Bericht ganz, ist das ein Warnsignal für das gesamte Produkt.
THC-Spuren im Alltag: Straßenverkehr
Der Grenzwert für Produkte ist nicht der Grenzwert im Straßenverkehr, dort zählt der THC-Wert im Blut: 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum. Diese Zahl ist ein eigener deutscher Maßstab und unabhängig davon, ob das konsumierte Produkt legal war.
Vollspektrum-Produkte enthalten THC-Spuren. Bei üblicher Dosierung bleibt der Blutwert normalerweise ohne Bedeutung, bei sehr hoher Dauerdosierung ist eine Anreicherung nicht völlig ausgeschlossen. Wer beruflich fährt oder regelmäßig kontrolliert wird, findet die Einzelheiten unter CBD und Autofahren.
THC je Produktform
Wie stark der THC-Grenzwert im Alltag zählt, hängt von der Produktform ab. Nicht jede Kategorie trägt dasselbe Risiko, und nicht jede wird gleich streng geprüft.
Vollspektrum-Öle enthalten naturgemäß THC-Spuren, denn sie bewahren das gesamte Pflanzenprofil. Hier ist die chargenweise Laborprüfung am wichtigsten. Liegt das Öl auf Hanfsamenöl-Basis vor, kommen die Kontaminanten-Höchstwerte der EU-Verordnung dazu.
Kapseln teilen das Profil des Extrakts, aus dem sie hergestellt wurden. Die Kapselhülle ändert am Cannabinoid-Gehalt nichts, der Laborbericht des Ausgangsextrakts bleibt maßgeblich.
Pasten und Konzentrate verdienen besondere Aufmerksamkeit. Durch die starke Aufkonzentrierung steigt auch der absolute THC-Gehalt pro Gramm. Genau in dieser Kategorie wird die strafrechtliche Mengenbetrachtung überhaupt erst denkbar.
Kosmetik ist nur zulässig, wenn keine THC-Relevanz besteht. Ein seriöser Hersteller weist das über die Rohstoffauswahl und die Laboranalyse nach.
Häufige Missverständnisse zum Grenzwert
"0,3 Prozent THC im Fläschchen macht high." Nein. Bei 10 Millilitern Öl entsprechen 0,3 Prozent rund 30 Milligramm THC im gesamten Fläschchen, verteilt über hunderte Tropfen. Pro Einnahme bleibt ein Bruchteil eines Milligramms.
"Die Grenze gilt europaweit einheitlich." Nur teilweise. Die 0,3 Prozent für den Anbau sind EU-weit harmonisiert, die Regeln für Endprodukte setzen die Mitgliedstaaten aber unterschiedlich um. Ein in Deutschland zulässiges Produkt kann in Nachbarländern anders bewertet werden.
"Null THC ist gesetzlich vorgeschrieben." Nicht in Deutschland. Erlaubt sind Spuren bis zu den beschriebenen Grenzen. Wer THC vollständig meiden möchte, wählt Breitspektrum oder Isolat und prüft den Laborbericht auf den Eintrag "nicht nachweisbar".
"Der Anbieter garantiert die Werte, ein Bericht ist überflüssig." Riskante Annahme. THC-Gehalte schwanken je nach Ernte und Extraktion von Charge zu Charge. Nur der chargenbezogene Bericht belegt den tatsächlichen Wert.
Einordnung im Gesamtbild
Der THC-Grenzwert ist die Eintrittskarte in den legalen Markt, aber nur eine von mehreren rechtlichen Ebenen. Ein Produkt unter 0,3 Prozent THC hat die Cannabisrecht-Frage geklärt. Offen bleiben die Lebensmittelfrage des Novel-Food-Verfahrens und die strengen Werberegeln.
Diese Ebenen greifen ineinander und entscheiden gemeinsam über die Verkehrsfähigkeit. Den Gesamtrahmen mit allen Teilgebieten ordnet die Übersicht CBD-Rechtslage ein, die deutsche Gesetzeslage im Detail beschreibt CBD-Gesetze in Deutschland.
Die Informationen dienen der allgemeinen Orientierung. Sie ersetzen keine Rechtsberatung und keine ärztliche Beratung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen an Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Quellen
- 1.GesetzgebungKonsumcannabisgesetz (KCanG), § 1 Nr. 8 (Nutzhanf-Definition) — Gesetze im Internet, Bundesministerium der Justiz (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 2.GesetzgebungVerordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln — EUR-Lex (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 3.GesetzgebungBGH-Pressemitteilung: nicht geringe Menge THC unter dem KCanG (1 StR 106/24) — Bundesgerichtshof (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 4.Offizielle StelleHanfsamen, Hanföl, Hanftee: wie steht es mit der Sicherheit? — Verbraucherzentrale (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 5.THC Grenzwert Deutschland 2026: 0,2 oder 0,3%? — ALL4CBD (). Abgerufen am 31. Juli 2026.