Cannabidiol (CBD): was der Stoff ist und wie er im Körper ansetzt
Geprüft von Bernard Vos am
Zuletzt aktualisiert am
Kurz gefasst
- Cannabidiol ist ein natürlicher Stoff aus der Hanfpflanze, der nicht berauscht.
- Er setzt anders an als THC, nämlich indirekt über das körpereigene Endocannabinoid-System.
- Als Lebensmittelzutat ist Cannabidiol in der EU bisher nicht zugelassen, in Kosmetik dagegen schon.
Was ist Cannabidiol genau?
Cannabidiol, meist CBD abgekürzt, ist ein natürlicher Bestandteil der Hanfpflanze. Vielleicht haben Sie den Namen im Drogeriemarkt oder bei Bekannten gehört.
Nutzhanf ist eine Sorte von Cannabis sativa für den Anbau in der Landwirtschaft. Die Pflanze liefert Fasern, Samen und Extrakte. Cannabidiol steckt vor allem in Blüten und Blättern, mehr dazu unter Nutzhanf.
Auf einem Etikett steht die Menge in Milligramm je Einheit. Ein Beispiel: 5 mg pro Tropfen oder 10 mg pro Kapsel. Ein Fläschchen mit 10 ml und 5 Prozent enthält rund 500 mg insgesamt.
Cannabidiol gehört zur Gruppe der Cannabinoide. Die Pflanze bildet über hundert davon. Der israelische Chemiker Raphael Mechoulam klärte 1963 die chemische Struktur von Cannabidiol auf, ein Jahr vor der Struktur von THC.
Worin unterscheiden sich CBD und THC?
Der Unterschied zwischen CBD und THC liegt in der Bindung an Rezeptoren, im Effekt auf das Gehirn und im rechtlichen Rahmen. Stellen Sie sich zwei Gäste auf einer Feier vor.
THC klettert auf den Tisch und bestimmt den Abend. CBD bleibt auf dem Sofa sitzen und spricht leise mit den Nachbarn. Beide sind anwesend, ihre Präsenz unterscheidet sich völlig.
Chemisch dockt THC fest an den CB1-Rezeptor an. Das ist ein Eiweiß auf Nervenzellen, das wie ein Schloss für Cannabinoid-Signale funktioniert. Daher stammt der Rausch (Quelle: Iffland & Grotenhermen, 2017).
Cannabidiol bindet an denselben Rezeptor nur schwach. Es setzt eher an anderen Stellen an und greift indirekt in das Netzwerk ein.
| Eigenschaft | CBD | THC |
|---|---|---|
| Summenformel | C₂₁H₃₀O₂ | C₂₁H₃₀O₂ (gleich, anderer Aufbau) |
| CB1-Rezeptor | kaum Bindung | starke Bindung |
| Berauschend | nein | ja |
| Nutzhanf-Grenze Deutschland | Hauptbestandteil | höchstens 0,3 Prozent im Ausgangsmaterial |
| Produktstatus | Kosmetik zulässig, Lebensmittel ungeklärt | verschreibungspflichtig oder KCanG-geregelt |
| Nachweis im Drogentest | nicht bei Isolat oder Breitspektrum | ja |
Stellen Sie sich vor: Ein Drogentest im Betrieb steht an. Ein Vollspektrum-Öl kann Spuren von THC enthalten und ein Ergebnis auslösen. Ein Breitspektrum- oder Isolat-Produkt enthält laut Analysezertifikat kein nachweisbares THC.
Eine Garantie ist das nicht. Welche Restmenge ein Test erfasst, hängt vom Verfahren ab. Mehr dazu unter CBD und Autofahren.
Wo setzt Cannabidiol im Körper an?
Cannabidiol setzt indirekt am Endocannabinoid-System an, einem körpereigenen Regelnetzwerk in fast allen Geweben.

Stellen Sie sich das System als Thermostat im Haus vor. Der Thermostat misst laufend und regelt in kleinen Schritten nach. Etwas Ähnliches passiert hier auf chemischer Ebene.
Das Netzwerk kennt zwei Hauptrezeptoren. CB1 sitzt überwiegend auf Nervenzellen, CB2 überwiegend auf Immunzellen.
Der Körper bildet eigene Cannabinoide. Das bekannteste heißt Anandamid und passt an CB1 und CB2. Pflanzliche Cannabinoide greifen an demselben Netzwerk an.
Cannabidiol bindet nur schwach an CB1 und CB2 und setzt vor allem am Enzym FAAH an, das Anandamid abbaut (Quelle: Iffland & Grotenhermen, 2017). Dadurch bleibt körpereigenes Anandamid etwas länger verfügbar.
Der bekannteste Forschungsbefund stammt aus der Epilepsie-Forschung. Eine randomisierte Studie von 2017 untersuchte Cannabidiol bei Kindern mit Dravet-Syndrom (Quelle: Devinsky et al., 2017). Seit 2019 ist Epidyolex in der EU für bestimmte Epilepsieformen zugelassen.
Epidyolex ist ein Arzneimittel mit hoher, standardisierter Dosierung und ärztlicher Verordnung. Ergebnisse aus solchen Studien lassen sich nicht auf frei verkäufliche Produkte übertragen.
Wie wird Cannabidiol hergestellt?
CBD-Extrakte entstehen aus Blüten und Blättern des Nutzhanfs durch ein Extraktionsverfahren. Üblich sind überkritisches CO₂ und Ethanol als Lösungsmittel.
Bei der CO₂-Extraktion steht Kohlendioxid unter hohem Druck in einem Zustand zwischen Gas und Flüssigkeit. Es strömt durch das Pflanzenmaterial und nimmt die Cannabinoide mit. Lösungsmittelreste bleiben nicht zurück.
Die Extraktion mit Ethanol ist einfacher und günstiger. Dabei gehen mehr Begleitstoffe mit über. Für Vollspektrum-Produkte ist das erwünscht, für Isolate nicht.
Danach folgt die Decarboxylierung. Durch sanfte Wärme wird CBDA aus der lebenden Pflanze in die neutrale Form CBD überführt.
Welche Produktformen gibt es?
CBD-Produkte gibt es vor allem als Öl, Kapsel, Kosmetik, Pflaster und Paste. Jede Form hat eine eigene Anwendungsart und eine eigene Stärke.

| Form | Anwendung | Übliche Menge |
|---|---|---|
| Öl | unter die Zunge | 5 bis 40 mg je ml |
| Kapsel | schlucken | 10 bis 25 mg je Kapsel |
| Kosmetik | auf die Haut | 100 bis 500 mg je Tiegel |
| Pflaster | über die Haut | 10 bis 60 mg je Pflaster |
| Paste | unter die Zunge oder schlucken | 200 bis 1000 mg je Spritze |
Die Aufnahme unter der Zunge läuft über die Schleimhaut. Beim Schlucken passiert der Stoff zuerst Magen und Leber, was die Bioverfügbarkeit senkt. Kosmetik bleibt in den oberen Hautschichten.
Beim Spektrum haben Sie drei Möglichkeiten, ausführlich beschrieben unter CBD-Spektrum:
- Vollspektrum: Extrakt mit allen Begleitstoffen, einschließlich THC-Spuren.
- Breitspektrum: Extrakt ohne nachweisbares THC laut Laborbericht.
- Isolat: reines Cannabidiol ohne weitere Pflanzenstoffe.
Ein gutes Produkt bringt ein Analysezertifikat je Charge mit. Als Trägeröl dient häufig MCT-Öl. Lagern Sie Ihr Produkt kühl, dunkel und gut verschlossen.
Was gilt rechtlich in Deutschland?
Die Einordnung hängt von Produktform, THC-Gehalt und Kennzeichnung ab. Drei Ebenen greifen gleichzeitig ineinander.

Erstens der THC-Gehalt: Seit dem 1. April 2024 definiert das Konsumcannabisgesetz Nutzhanf mit höchstens 0,3 Prozent THC. Details stehen unter THC-Grenzwert.
Zweitens das Lebensmittelrecht: CBD-Extrakte gelten in der EU als neuartige Lebensmittel ohne abgeschlossene Zulassung. Öle und Kapseln sind als Lebensmittel deshalb formal nicht verkehrsfähig, siehe Novel Food. Kosmetik mit Cannabidiol ist dagegen zulässig.
Drittens die Werbung: Gesundheitsbezogene Aussagen sind für CBD nicht zugelassen, siehe Health Claims und Rechtslage in Deutschland.
Sicherheit, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Studien an Erwachsenen beschreiben für Cannabidiol ein überwiegend mildes Nebenwirkungsprofil. Entscheidend sind Menge, Produktform, Medikamente und Zielgruppe.
Häufig genannt werden Müdigkeit, veränderter Appetit, Durchfall und Mundtrockenheit. In seltenen Fällen wurden bei hohen Mengen erhöhte Leberwerte beobachtet (Quelle: Iffland & Grotenhermen, 2017). Die Übersicht steht unter Nebenwirkungen.
Cannabidiol hemmt Leberenzyme der CYP450-Familie, die einen großen Teil der Arzneistoffe abbaut. Betroffen sind unter anderem Antiepileptika, Blutverdünner und Antidepressiva. Mehr dazu unter Wechselwirkungen.
Sprechen Sie vorher mit Arzt oder Apotheker, wenn Sie Medikamente einnehmen, schwanger sind, stillen, eine Lebererkrankung haben oder jünger als 18 Jahre sind.
Drei verbreitete Missverständnisse
Diese drei Punkte tauchen in Leserfragen immer wieder auf.
- "CBD ist dasselbe wie Marihuana." Nein. Cannabidiol stammt aus Nutzhanf mit niedrigem THC-Gehalt. Marihuana ist dieselbe Art mit hohem THC-Gehalt.
- "CBD ist ein Medikament." Nur Epidyolex ist als Arzneimittel zugelassen, auf Rezept. Frei verkäufliche Produkte fallen in andere Kategorien.
- "Mehr Prozent bedeutet besser." Ein 30-Prozent-Öl ohne Laborbericht sagt weniger aus als ein 5-Prozent-Öl mit vollständigem Zertifikat.
Häufige Fragen
Was ist Cannabidiol in einem Satz? Cannabidiol ist ein Stoff aus der Hanfpflanze, der nicht berauscht. Rechtlich wird er getrennt von THC betrachtet, solange ein Produkt die Grenzwerte einhält.
Ist CBD dasselbe wie Marihuana? Nein. CBD stammt aus Nutzhanf mit höchstens 0,3 Prozent THC. Marihuana ist dieselbe Pflanzenart mit hohem THC-Gehalt und berauschender Wirkung.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für CBD? Nur für das zugelassene Arzneimittel Epidyolex kann unter Bedingungen eine Kostenübernahme infrage kommen. Frei verkäufliche Produkte werden nicht erstattet.
Darf ich nach der Einnahme von CBD Auto fahren? Vollspektrum-Produkte enthalten Spuren von THC, und im Straßenverkehr gilt ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. Im Zweifel fahren Sie nicht.
Die Informationen auf dieser Website dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Wenden Sie sich im Zweifel an Ihren Arzt oder Apotheker.
Quellen
- 1.Cannabidiol (CBD) Critical Review Report — World Health Organization, Expert Committee on Drug Dependence (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 2.An Update on Safety and Side Effects of Cannabidiol — Cannabis and Cannabinoid Research (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 3.Trial of Cannabidiol for Drug-Resistant Seizures in the Dravet Syndrome — New England Journal of Medicine (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 4.Epidyolex (cannabidiol) EPAR — European Medicines Agency (EMA) (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 5.FAQ Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) — Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 6.Konsumcannabisgesetz (KCanG) — Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet (). Abgerufen am 31. Juli 2026.