Sublinguale Einnahme: CBD unter der Zunge
Sublingual heißt wörtlich unter der Zunge. Hinter dem Begriff steckt ein anatomischer Umweg, der die Leber zunächst umgeht.
Geprüft von Bernard Vos am
Zuletzt aktualisiert am
Was sublinguale Einnahme bedeutet
Sublingual bedeutet unter der Zunge, und die sublinguale Einnahme lässt eine Flüssigkeit dort liegen, bevor sie geschluckt wird. In dieser Zeit nimmt die Mundschleimhaut einen Teil des Inhalts auf.
Der Boden der Mundhöhle ist dünn und stark durchblutet. Kleine Gefäße liegen dicht unter der Oberfläche. Diese Eigenschaften machen den Bereich zu einem gut untersuchten Aufnahmeweg in der Pharmazie (Quelle: Narang & Sharma, 2011).
Bei CBD-Ölen ist der Weg deshalb üblich. Die Pipette gibt eine kleine Flüssigkeitsmenge ab, die sich unter der Zunge verteilen lässt.
Warum der Weg über die Mundschleimhaut anders verläuft
Der Unterschied zum Schlucken liegt im Blutkreislauf, nicht in der Menge. Beide Wege beginnen im Mund und trennen sich danach.
Geschluckte Anteile wandern über Magen und Darm in die Pfortader und von dort in die Leber. Enzyme der Cytochrom-P450-Familie bauen dort einen Teil des Cannabidiols um, bevor es den übrigen Körper erreicht. Dieser Vorgang heißt First-Pass-Effekt.
Über die Mundschleimhaut aufgenommene Anteile fließen dagegen in die Halsvenen und von dort zum Herzen. Der erste Leberdurchgang entfällt für diesen Teil. Die vorliegenden Humanstudien beschreiben für den Weg über die Mundschleimhaut höhere Anteile im Blutkreislauf als für geschluckte Mengen (Quelle: Millar et al., 2018).
In der Praxis mischen sich beide Wege. Was nach der Wartezeit im Mund bleibt, wird geschluckt und folgt dann dem Verdauungsweg. Die Vergleichszahlen stehen unter Bioverfügbarkeit.
Die Technik Schritt für Schritt
Vier Handgriffe beschreiben den Ablauf, und keiner davon betrifft eine Menge.
Vorbereiten. Schlucken Sie einmal, bevor Sie die Pipette ansetzen. So liegt weniger Speichel im Weg.
Aufbringen. Geben Sie die Flüssigkeit direkt unter die Zunge, nicht auf die Zungenoberfläche. Die aufnehmende Fläche liegt darunter.
Warten. Üblich sind rund 60 bis 90 Sekunden. Kürzere Zeiten verringern den Anteil, der über die Schleimhaut aufgenommen wird. Deutlich längere Zeiten bringen nach den vorliegenden Daten keinen zusätzlichen Nutzen.
Schlucken. Der Rest geht anschließend den gewohnten Weg über Magen und Darm. Er ist damit nicht verloren, folgt aber einem anderen Zeitverlauf.
Was die Aufnahme unter der Zunge stört
Alles, was die Flüssigkeit von der Schleimhaut wegspült, verkürzt die Kontaktzeit.
Trinken direkt danach spült einen Teil in Richtung Magen. Ein paar Minuten Abstand halten den Kontakt aufrecht.
Essen direkt danach wirkt ähnlich. Kauen erzeugt viel Speichel, und der Speichelfluss transportiert Flüssigkeit ab.
Zähneputzen kurz zuvor hinterlässt Zahnpastareste im Mund. Ein kurzer Abstand ist deshalb praktisch.
Sprechen und Zungenbewegung verteilen die Flüssigkeit im Mundraum. Ruhiges Warten hält sie an der vorgesehenen Stelle.
Wovon der aufgenommene Anteil noch abhängt
Neben der Kontaktzeit wirken die Eigenschaften des Produkts und persönliche Faktoren mit.
Das Trägeröl bestimmt die Fließfähigkeit. MCT-Öl ist dünnflüssig und verteilt sich schnell. Hanfsamenöl ist zäher und bleibt eher an einer Stelle.
Die Konzentration verändert das Volumen im Mund. Bei einem höher konzentrierten Öl reichen weniger Tropfen für dieselbe Milligramm-Zahl, wie unter CBD-Konzentration beschrieben.
Persönliche Faktoren wie Speichelfluss, Mundtrockenheit und der Zustand der Schleimhaut spielen ebenfalls eine Rolle. Sie erklären einen Teil der Streuung zwischen Personen in den Studien.
Geschmack und Verträglichkeit im Mund
Der Eigengeschmack ist der häufigste Grund, warum der Weg über die Mundschleimhaut abgebrochen wird. Vollspektrum-Öle schmecken erdig bis bitter.
Ein neutrales Trägeröl mildert den Eindruck. Aromatisierte Varianten mit Minze oder Zitrus verändern ihn ebenfalls. Beides ist eine Geschmacksfrage und kein Qualitätsmerkmal.
Manche Personen beschreiben ein leichtes Kribbeln oder Brennen unter der Zunge, besonders bei hohen Konzentrationen. Wenn das Gefühl anhält, ist eine andere Produktform die naheliegende Alternative. Ein Überblick über unerwünschte Begleiterscheinungen steht unter Nebenwirkungen.
Abgrenzung zu anderen Wegen im Mund
Die Fachsprache unterscheidet mehrere Wege über die Mundschleimhaut, die im Alltag oft vermischt werden.
Sublingual meint den Bereich direkt unter der Zunge. Dieser Bereich ist bei CBD-Ölen gemeint.
Buccal meint die Innenseite der Wange. Die Aufnahme läuft ähnlich ab, die Fläche ist jedoch dicker und weniger durchlässig.
Oromukosale Sprays verteilen eine feine Menge im gesamten Mundraum. Die Kontaktfläche ist größer, die Kontaktzeit dafür kürzer.
Geschluckt bezeichnet den Weg über Magen und Darm mit dem beschriebenen ersten Leberdurchgang.
Was die Technik nicht verändert
Der Weg über die Mundschleimhaut ändert nichts an der Wechselwirkungsfrage. Cannabidiol erreicht die Leber auch dann, nur eben später über den allgemeinen Kreislauf.
Die betroffenen Enzyme der Cytochrom-P450-Familie sind am Abbau vieler Arzneimittel beteiligt. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, klären Sie das vorab in der Apotheke. Der Hintergrund steht unter Wechselwirkungen.
Auch zur Menge trifft die Technik keine Aussage. Wie viel Cannabidiol in einem Tropfen steckt, steht unter Milligramm pro Tropfen. Die Begriffe rund um die Mengenfrage stehen unter CBD-Dosierung.
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Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Quellen
- 1.StudieA systematic review on the pharmacokinetics of cannabidiol in humans — Frontiers in Pharmacology (). DOI: 10.3389/fphar.2018.01365
- 2.StudieSublingual mucosa as a route for systemic drug delivery — International Journal of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences ()