Vollspektrum oder Breitspektrum: worin sie sich unterscheiden
Beide Extrakte stammen aus demselben Rohextrakt. Ein einziger Reinigungsschritt entscheidet darüber, ob am Ende THC im Produkt bleibt.
Geprüft von Bernard Vos am
Zuletzt aktualisiert am
Kurz gefasst
- Ein zusätzlicher Reinigungsschritt trennt Breitspektrum von Vollspektrum.
- Im Laborbericht steht bei Vollspektrum ein THC-Wert, bei Breitspektrum meist „nicht nachweisbar“.
- Nicht nachweisbar ist keine Null, sondern eine Aussage über die Messgrenze.
Ein Reinigungsschritt trennt die beiden Extrakte
Beide Extrakte stammen aus demselben Rohextrakt, und nur beim Breitspektrum wird das THC danach herausgelöst. Vielleicht haben Sie zwei Fläschchen mit derselben Prozentzahl nebeneinander gesehen.
Am Anfang steht bei beiden die Gewinnung des Extrakts aus der Pflanze. Der übliche Weg dorthin ist die CO2-Extraktion unter hohem Druck. Danach folgt die Umwandlung durch Wärme.
Bis hierhin sind die zwei Wege gleich. Für Breitspektrum kommt danach eine weitere Station dazu.
Ein Labor trennt die Bestandteile nach ihren Eigenschaften und zieht die THC-Fraktion heraus. Die übrigen Cannabinoide und Terpene sollen dabei erhalten bleiben. Terpene sind die Duft- und Aromastoffe der Pflanze.
Der Schritt ist vergleichbar mit entkoffeiniertem Kaffee. Es bleibt derselbe Kaffee, nur ein Stoff fehlt. Aroma und Farbe verändern sich dabei ein wenig.
Wichtig ist eine Klarstellung vorweg. Der Schritt ändert nichts an der Stärke. Die Prozentzahl auf dem Etikett beschreibt den CBD-Gehalt und nicht das Spektrum.
| Merkmal | Vollspektrum | Breitspektrum |
|---|---|---|
| Reinigungsschritte | Ein Schritt weniger. | Ein Schritt mehr. |
| THC im Produkt | Spuren unter 0,3 Prozent. | Meist nicht nachweisbar. |
| Weitere Cannabinoide | Vollständig enthalten. | Weitgehend enthalten. |
| Terpene | Vollständig enthalten. | Teilweise reduziert. |
| Geschmack | Kräuterig und erdig. | Milder und pflanzlich. |
Die Extrakte für sich beschreiben Vollspektrum mit dem kompletten Pflanzenprofil und Breitspektrum ohne nachweisbares THC. Hier geht es allein um den Abstand zwischen beiden.
Der THC-Status: Spuren gegen nicht nachweisbar
Vollspektrum enthält THC-Spuren, Breitspektrum enthält meist kein nachweisbares THC. Für Sie als Käufer ist das der wichtigste Punkt beim Vergleich.
Für Produkte aus zertifiziertem Nutzhanf gilt in Deutschland eine Grenze von 0,3 Prozent THC. Nutzhanf sind zugelassene Hanfsorten mit sehr geringem THC-Gehalt. Die Grenze steht in der Nutzhanf-Definition des Konsumcannabisgesetzes von 2024.
Ein Vollspektrum-Öl bleibt unter dieser Grenze. Es weist trotzdem einen messbaren Wert aus. Ein Breitspektrum-Öl trägt im Bericht stattdessen den Eintrag „nicht nachweisbar“.
Dieser Eintrag meint: unterhalb der Nachweisgrenze des Verfahrens. Er ist keine mathematische Null. Empfindliche Verfahren erkennen kleinere Mengen als einfache Verfahren.
Ein Rechenbeispiel ordnet die Größenordnung ein. Ein 10-Milliliter-Fläschchen mit 0,1 Prozent THC enthält rund 10 Milligramm THC. Verteilt auf hunderte Tropfen bleibt pro Einnahme ein Bruchteil davon.
Der ältere Wert von 0,2 Prozent steht in vielen Texten noch. Er stammt aus der früheren Praxis und gilt als überholt.
Den vollständigen rechtlichen Rahmen beschreibt der THC-Grenzwert nach dem KCanG.
So unterscheiden sich die zwei Laborberichte
Der Laborbericht zeigt den Unterschied deutlicher als jedes Etikett. Stellen Sie sich die beiden Dokumente nebeneinander auf dem Tisch vor.
Beim Vollspektrum listet der Bericht eine ganze Reihe von Cannabinoiden. Neben CBD stehen dort CBG, CBN und CBDA. Der THC-Wert erscheint als Zahl, etwa 0,04 Prozent.
Viele Vollspektrum-Berichte nennen zusätzlich ein Terpen-Profil. Es führt die Aromastoffe einzeln mit eigenen Werten auf. Genau dieses Profil ist beim Breitspektrum oft kürzer.
Beim Breitspektrum sieht die Cannabinoid-Liste zunächst ähnlich aus. Nur die THC-Zeile ändert sich. Dort steht „nicht nachweisbar“ oder ein Wert unterhalb der Messgrenze.
Ein guter Bericht nennt diese Messgrenze ausdrücklich. Ohne diese Angabe sagt der Eintrag wenig aus. Fragen Sie im Zweifel beim Anbieter nach.
Beide Berichte tragen daneben dieselben Prüfpunkte. Dazu gehören Pestizide, Schwermetalle und Lösungsmittelreste.
Achten Sie in beiden Fällen auf die Chargennummer. Ein Bericht ohne Chargenbezug passt nicht zu Ihrer Flasche. Auch das Datum zählt, denn die Werte schwanken von Ernte zu Ernte.
Wie ein solches Dokument aufgebaut ist, erklärt das Analysezertifikat Zeile für Zeile.
Produktformen und Geschmack im Vergleich
Vollspektrum begegnet Ihnen in mehr Produktformen als Breitspektrum. Gehen Sie durch ein Sortiment, fällt dieser Unterschied schnell auf.
Vollspektrum steckt in Ölen, Kapseln, Pasten und Kosmetik. Bei konzentrierten Pasten ist es die übliche Grundlage. Der Grund liegt im Aufwand, denn eine THC-Trennung lohnt sich dort selten.
Breitspektrum finden Sie vor allem als Öl, als Kapsel und in Kosmetik. In der Hautpflege ist der fehlende THC-Anteil für manche Käufer ein Pluspunkt.
Der Geschmack trennt die beiden ebenfalls. Vollspektrum schmeckt kräuterig und erdig, mit bitterem Nachklang. Breitspektrum wirkt milder, behält aber eine pflanzliche Note.
Auch die Farbe verrät etwas. Vollspektrum-Öle sind meist dunkler, Breitspektrum-Öle heller. Ein Isolat-Öl bleibt dagegen fast klar.
Sortimente mit beiden Extrakten finden Sie unter CBD-Öl mit Pipette. Das dritte Extrakt beschreibt CBD-Isolat als reines Pulver.
Preis und Ausbeute: was der Extra-Schritt kostet
Der zusätzliche Reinigungsschritt kostet Technik, Zeit und einen Teil der Ausbeute. Angenommen, ein Betrieb verarbeitet zwei gleiche Chargen Rohextrakt.
Bei der Trennung geht nicht nur THC verloren. Ein Teil der übrigen Cannabinoide und Terpene wandert mit heraus. Am Ende bleibt weniger Extrakt pro Kilogramm Pflanzenmaterial übrig.
Dazu kommt eine zweite Laborrunde. Der Betrieb lässt nach dem Schritt erneut messen. Beides schlägt sich im Verkaufspreis nieder.
Im Preis liegt Breitspektrum deshalb oft etwas höher als Vollspektrum. Ein Schritt weniger bedeutet hier also nicht den günstigeren Preis.
Vergleichen Sie beim Kauf den Preis pro Milligramm CBD. Eine 10-Milliliter-Flasche mit 5 Prozent enthält rund 500 Milligramm CBD. Teilen Sie den Flaschenpreis durch diese Zahl.
Ein sehr günstiges Breitspektrum ohne Laborbericht ist ein Warnsignal. Gerade hier lässt sich das Versprechen nicht mit bloßem Auge prüfen.
Wann der Unterschied im Alltag zählt
Praktisch zählt der Unterschied bei Drogentests, im Straßenverkehr, im Sport und auf Reisen. Wer beruflich fährt, kennt diese Frage aus eigener Erfahrung.
Bei Tests am Arbeitsplatz zählt die THC-Zeile im Bericht. Ein Vollspektrum-Produkt bringt Spuren mit, ein Breitspektrum-Produkt in der Regel nicht. Absolute Sicherheit bietet dabei kein Etikett.
Im Verkehr gilt eine ganz andere Messgröße. Kontrolliert wird der THC-Wert im Blutserum, also im flüssigen Anteil des Blutes. In Deutschland liegt dieser Wert bei 3,5 Nanogramm pro Milliliter.
Warum Produktgrenze und Blutwert zwei Maßstäbe sind, steht unter CBD und Autofahren.
Im Sport gilt eine eigene Liste. Cannabidiol steht nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur, THC oberhalb eines Grenzwerts schon.
Bei Reisen endet die deutsche Regelung an der Grenze. Ein hier zulässiges Produkt kann anderswo anders bewertet werden. Prüfen Sie die Lage vorher für Ihr Zielland.
Für das Zusammenspiel der Begleitstoffe lohnt der Entourage-Effekt als offene Hypothese. Diese Annahme ist bis heute nicht eindeutig belegt (Quelle: Russo, 2011). Beim Breitspektrum bleiben die Begleitstoffe weitgehend erhalten, das THC nicht.
Ob THC-Spuren für Ihre Lage zählen, klärt die Wahl mit oder ohne THC-Spuren.
Den größeren Abstand zeigt der Vergleich von Vollspektrum und Isolat. Eine ganz andere Achse beschreibt der Vergleich von Raw und decarboxyliert.
Alle drei Extrakte nebeneinander zeigt die Übersicht der CBD-Spektren. Die weiteren Themen bündelt alles über CBD im Überblick.
Häufige Fragen
Ist Breitspektrum besser als Vollspektrum? Nein. Die beiden Extrakte lösen unterschiedliche Anforderungen. Ein Vorteil des einen gegenüber dem anderen ist nicht belegt.
Was bedeutet nicht nachweisbar im Laborbericht? Der Wert liegt unter der Nachweisgrenze des verwendeten Verfahrens. Das ist keine mathematische Null.
Enthält Vollspektrum genug THC für einen Rausch? Nein. Der Gehalt bleibt unter 0,3 Prozent und damit weit unter jeder rauschrelevanten Menge.
Warum kostet Breitspektrum oft mehr? Der zusätzliche Reinigungsschritt kostet Technik, Zeit und einen Teil der Ausbeute.
Zuletzt geprüft am 14. August 2026 von Bernard Vos. Wie wir Inhalte prüfen, steht in den Redaktionsrichtlinien.
Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine Rechtsberatung und keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Medikamenten oder zu Ihrer Gesundheit wenden Sie sich an Arzt oder Apotheker.
Quellen
- 1.GesetzgebungKonsumcannabisgesetz (KCanG), § 1 Nr. 8 (Nutzhanf-Definition) — Gesetze im Internet, Bundesministerium der Justiz (). Abgerufen am 14. August 2026.
- 2.Offizielle StelleFAQ Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) — Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (). Abgerufen am 14. August 2026.
- 3.StudieTaming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects — British Journal of Pharmacology (). DOI: 10.1111/j.1476-5381.2011.01238.x. Abgerufen am 14. August 2026.