Anandamid: das körpereigene Cannabinoid

Anandamid stellt der Körper selbst her. Es passt auf dieselben Rezeptoren wie Hanfstoffe und ist der Ansatzpunkt, über den Cannabidiol indirekt mitspielt.

Geprüft von Bernard Vos am

Zuletzt aktualisiert am

Kurz gefasst

  • Anandamid ist ein Cannabinoid, das der Körper selbst herstellt.
  • Es passt auf die Rezeptoren CB1 und CB2 und wird vom Enzym FAAH rasch wieder abgebaut.
  • Cannabidiol bremst dieses Enzym im Laborversuch, wodurch das körpereigene Signal länger bestehen bleibt.

Was ist Anandamid?

Anandamid ist ein körpereigenes Cannabinoid, das an die Rezeptoren CB1 und CB2 andockt. Körpereigen bedeutet: Der Körper stellt den Stoff selbst her, ganz ohne Zufuhr von außen.

Der chemische Name lautet N-Arachidonoylethanolamin, abgekürzt AEA. Im Alltag hat sich der kürzere Name durchgesetzt.

Der Name geht auf das Sanskrit-Wort "ananda" für Glückseligkeit zurück. Das ist eine sprachliche Anekdote und keine Aussage über eine Wirkung.

Anandamid gehört zum Endocannabinoid-System, also zum körpereigenen Regelnetzwerk. Die Übersicht steht unter CBD-Wirkung, alle Themen in der CBD-Wissensbasis.

Wie wurde Anandamid entdeckt?

Anandamid wurde 1992 aus Hirngewebe isoliert (Quelle: Devane et al., 1992). Beteiligt war die Arbeitsgruppe um Raphael Mechoulam, der bereits THC beschrieben hatte.

Der Anlass war eine offene Frage. Wenn es Rezeptoren für Hanfstoffe gibt, muss der Körper eigene Stoffe dafür herstellen. Sonst ergäbe die Bauweise keinen Sinn.

Anandamid war die Antwort darauf. Kurz danach folgte 2-AG als zweiter körpereigener Botenstoff.

Ohne diese Funde bliebe das Bild unvollständig. Erst mit ihnen wurde aus einzelnen Rezeptoren ein zusammenhängendes System.

Wo entsteht Anandamid im Körper?

Anandamid wird nicht auf Vorrat gelagert, sondern bei Bedarf hergestellt. Genau das unterscheidet es von vielen anderen Botenstoffen.

Die Herstellung findet vor allem in Nervenzellen statt, außerdem in Zellen der körpereigenen Abwehr. Ausgangsstoffe sind Bestandteile der Zellmembran.

Braucht eine Zelle ein Signal, baut sie den Stoff in diesem Moment zusammen. Anschließend gibt sie ihn an die Nachbarzelle ab.

Kurz darauf baut das Enzym FAAH den Stoff wieder ab. Ein Enzym ist ein Eiweiß, das eine chemische Reaktion beschleunigt.

Aus diesem Muster folgt eine kurze Signaldauer. Das System arbeitet punktgenau und ohne dauerhaften Überschuss.

Welche Rolle spielt Anandamid?

Anandamid ist an der Feinregulierung von Stimmung, Appetit, Schmerzwahrnehmung und Gedächtnis beteiligt (Quelle: Lu & Mackie, 2016). Beteiligt heißt: einer von mehreren Faktoren, nicht der Schalter.

Ein bekanntes Beispiel stammt aus dem Sport. Nach längerer Ausdauerbelastung berichten Menschen von einem gehobenen Gefühl, oft "runner's high" genannt. Untersuchungen bringen unter anderem Anandamid mit diesem Zustand in Verbindung.

Beteiligt sind dabei mehrere Systeme gleichzeitig, darunter körpereigene Opioide. Eine einzelne Ursache lässt sich daraus nicht ableiten.

In folgenden Bereichen wird Anandamid beschrieben:

  • Stimmung: als einer von mehreren Botenstoffen im Zusammenspiel.
  • Appetit: bei Signalen rund um Hunger und Sättigung.
  • Schmerzwahrnehmung: bei der Weiterleitung von Reizen zwischen Nervenzellen.
  • Gedächtnis: beim Aussortieren nicht mehr benötigter Reize.

Was hat Cannabidiol mit Anandamid zu tun?

Cannabidiol bremst im Laborversuch das Enzym FAAH, das Anandamid abbaut (Quelle: Iffland & Grotenhermen, 2017). Damit setzt es indirekt an, statt selbst kräftig an Rezeptoren zu binden.

Cannabidiol passt weder an CB1 noch an CB2 besonders gut. Der Weg über das Enzym erklärt, warum es trotzdem im Gespräch ist.

Ein Bild macht es anschaulich. Anandamid ist eine kurze Notiz, die eine Zelle hinterlegt. FAAH ist der Aufräumdienst. Cannabidiol verlangsamt den Aufräumdienst, sodass die Notiz etwas länger liegen bleibt.

Wichtig für die Einordnung: Diese Beobachtungen stammen überwiegend aus Zell- und Tierversuchen. Was daraus für frei verkäufliche Produkte folgt, ist nicht geklärt.

Anandamid, 2-AG und THC im Vergleich

Anandamid ist nicht der einzige Stoff, der an CB1 und CB2 andockt.

MerkmalAnandamid2-AGTHC
HerkunftkörpereigenkörpereigenHanfpflanze
Menge im Körpergeringhöher als Anandamidnur nach Zufuhr
Bindung an CB1mittelmittelstark
Dauerkurz, Abbau durch FAAHkurz, Abbau durch MAGLlänger
Rauschwirkungneinneinja

2-AG kommt in größerer Menge vor, bekommt in Verbrauchertexten aber weniger Aufmerksamkeit. THC ähnelt in seiner Bindung den körpereigenen Stoffen, bindet jedoch stärker und länger.

Lässt sich Anandamid gezielt beeinflussen?

Für ein gezieltes Anheben von Anandamid im Alltag gibt es keine belastbare Grundlage. Die Frage taucht regelmäßig auf, meist im Zusammenhang mit Sport oder Ernährung.

Zur Ausdauerbelastung liegen Beobachtungen vor, die einen vorübergehenden Anstieg beschreiben. Ein Anstieg im Blut ist jedoch kein Beleg für einen bestimmten Zustand oder Nutzen.

Häufig wird auch Kakao genannt. Kakao enthält Stoffe mit ähnlicher Struktur, allerdings in sehr kleinen Mengen. Das bleibt ein Kuriosum ohne praktische Bedeutung.

Nahrungsergänzungsmittel mit dem Versprechen, Anandamid anzuheben, entbehren einer tragfähigen Grundlage. Wer solche Aussagen liest, sollte sie als Werbung einordnen.

Was Sie als Verbraucher damit anfangen können

Zwei Einordnungen bleiben von diesem Thema übrig.

  1. Cannabidiol fügt kein Anandamid hinzu. Der beschriebene Weg läuft über ein Enzym, nicht über eine Zufuhr des Botenstoffs.
  2. Der Beiname "Glücksmolekül" ist Sprache, keine Eigenschaft. Stimmung entsteht im Zusammenspiel vieler Faktoren.

Wie Produkte sich in Gehalt und Zusammensetzung unterscheiden, steht unter CBD-Spektrum. Zu möglichen Begleiterscheinungen führt die Seite Nebenwirkungen.

Häufige Fragen

Was ist Anandamid in einem Satz? Ein körpereigenes Cannabinoid, das an die Rezeptoren CB1 und CB2 andockt und vom Enzym FAAH rasch wieder abgebaut wird.

Woher kommt der Name? Vom Sanskrit-Wort "ananda" für Glückseligkeit. Der Name stammt aus der Erstbeschreibung von 1992 und ist keine Aussage über eine Wirkung.

Wie hängen Cannabidiol und Anandamid zusammen? Cannabidiol bremst im Laborversuch das Enzym FAAH. Der körpereigene Botenstoff bleibt dadurch länger verfügbar.

Kann ich meinen Anandamid-Spiegel steigern? Dafür gibt es keine belastbare Grundlage. Beobachtet wurde ein vorübergehender Anstieg nach längerer Ausdauerbelastung, mehr nicht.

Wichtiger Hinweis

Die Informationen auf cbdviva.de dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in Ihrer Apotheke, wenn Sie Medikamente einnehmen, schwanger sind oder stillen.

Quellen

  1. 1.An Introduction to the Endogenous Cannabinoid SystemBiological Psychiatry (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
  2. 2.Isolation and structure of a brain constituent that binds to the cannabinoid receptorScience (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
  3. 3.An Update on Safety and Side Effects of CannabidiolCannabis and Cannabinoid Research (). Abgerufen am 31. Juli 2026.