Hanfsamenöl: Speiseöl aus Hanfsamen, ohne CBD
Hanfsamenöl und CBD-Öl klingen ähnlich und stehen manchmal nebeneinander im Regal. Das eine ist ein Speiseöl aus Samen, das andere ein Extrakt aus Blüten. Der Unterschied entscheidet darüber, ob überhaupt Cannabidiol enthalten ist.
Geprüft von Bernard Vos am
Zuletzt aktualisiert am
Was Hanfsamenöl ist
Hanfsamenöl ist ein Speiseöl, das aus den Samen von Cannabis sativa gepresst wird. Üblich ist die Kaltpressung, bei der die Samen ohne Erhitzen ausgepresst werden. Das Ergebnis ist ein grünlich schimmerndes Öl mit nussigem, leicht erdigem Geschmack.
Im Supermarkt steht es meist bei den Spezialölen neben Leinöl und Walnussöl. Dort ist es ein Lebensmittel wie jedes andere und unterliegt dem gewöhnlichen Lebensmittelrecht.
In der CBD-Welt taucht dasselbe Öl in einer zweiten Rolle auf: als Trägeröl, in dem ein Hanfextrakt gelöst wird. Beide Rollen sind sauber zu trennen.
Warum Hanfsamenöl kein Cannabidiol enthält
Cannabinoide bildet die Hanfpflanze in den Harzdrüsen ihrer Blüten und Blätter, nicht in den Samen. Der Samen enthält Fett, Eiweiß und Mineralstoffe, aber keine nennenswerten Mengen an Cannabidiol oder THC.
Beim Ernten und Reinigen können winzige Reste von Blütenmaterial an den Samen haften. Deshalb finden sich in Analysen von Hanfsamenerzeugnissen manchmal Spuren von Cannabinoiden. Diese Spuren stammen von außen, nicht aus dem Samen selbst.
Für Sie als Käuferin oder Käufer bedeutet das eine einfache Prüfregel. Steht auf der Flasche keine Milligramm-Angabe für Cannabidiol, ist auch keines enthalten. Was Cannabidiol chemisch ist, beschreibt die Seite Cannabidiol.
Die Fettsäuren im Hanfsamenöl
Rund vier Fünftel des Öls bestehen aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, mit einem Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 von etwa 3:1 (Quelle: Callaway, 2004). Dieses Verhältnis gilt in der Ernährungswissenschaft als ungewöhnlich ausgewogen für ein Pflanzenöl.
Drei Bestandteile werden dabei regelmäßig genannt:
- Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure, stellt den größten Anteil.
- Alpha-Linolensäure, eine Omega-3-Fettsäure, die der Körper nicht selbst herstellt.
- Gamma-Linolensäure, die in nur wenigen Pflanzenölen vorkommt, etwa in Nachtkerzenöl.
Dazu kommt Vitamin E, das im Öl als natürlicher Oxidationsschutz wirkt. Eiweiß und Mineralstoffe bleiben beim Pressen im Presskuchen zurück, nicht im Öl.
Eine Einordnung bleibt wichtig: In einer Flasche CBD-Öl steckt so wenig Trägeröl, dass die Nährstoffmengen ernährungsphysiologisch kaum ins Gewicht fallen. Wer die Fettsäuren nutzen möchte, verwendet Hanfsamenöl als Speiseöl.
Hanfsamenöl als Trägeröl für CBD
Als Trägeröl steht Hanfsamenöl für den Gedanken, dass Extrakt und Grundlage aus derselben Pflanzenart stammen. Sachlich ist das eine Geschmacks- und Herkunftsentscheidung, keine Frage der Wirksamkeit.
Dafür spricht der Verzicht auf tropische Rohstoffe, was bei einer Kokosallergie relevant ist. Ebenso spricht dafür, dass der erdige Grundton zu einem Vollspektrum-Extrakt passt.
Dagegen sprechen zwei Punkte. Der Eigengeschmack ist deutlich kräftiger als bei MCT-Öl, was manche Menschen als unangenehm empfinden. Und das Öl oxidiert schneller, wodurch die Haltbarkeit kürzer ausfällt.
Einen belastbaren Vergleich der beiden Trägeröle beim Menschen gibt es bislang nicht. Die Wahl richtet sich deshalb nach Geschmack, Verträglichkeit und Vorlieben bei der Herkunft.
THC-Höchstgehalte für Hanfsamenerzeugnisse
Für Hanfsamen und daraus gewonnene Erzeugnisse gelten in der EU eigene Höchstgehalte für THC. Sie stehen in der Verordnung (EU) 2023/915 über Kontaminanten in Lebensmitteln. Für Hanfsamenöl liegt der Höchstgehalt bei 7,5 Milligramm THC pro Kilogramm.
Dieser Wert betrifft die genannten Anhaftungen aus der Ernte, nicht einen absichtlichen Zusatz. Seriöse Hersteller prüfen ihre Chargen und weisen die Werte im Laborbericht aus.
Diese Höchstgehalte sind etwas anderes als die Anbaugrenze für Nutzhanf. Die beiden Regelwerke laufen nebeneinander, siehe THC-Grenzwert und Nutzhanf.
Hanfsamenöl in der Küche
In der Küche wird Hanfsamenöl kalt verwendet, weil die mehrfach ungesättigten Fettsäuren hitzeempfindlich sind. Zum Braten oder Frittieren ist es nicht geeignet.
Typische Verwendungen sind Salatdressings, ein Löffel über gegartem Gemüse oder eine Zugabe zu Dips und Aufstrichen. Der nussige Ton passt gut zu Hülsenfrüchten und zu kräftigen Blattsalaten.
Wer Hanfsamen selbst essen möchte, greift zu geschälten Samen. Sie schmecken mild und lassen sich über Müsli, Joghurt oder Salat streuen.
Lagerung: das empfindlichere Öl
Hanfsamenöl verdirbt schneller als MCT-Öl und gehört deshalb kühl und dunkel gelagert. Der Kühlschrank ist der beste Ort, ein dunkler Schrank fern von Herd und Fenster die zweitbeste Wahl.
Nach dem Öffnen ist ein Speiseöl aus Hanfsamen meist einige Monate brauchbar. Bei CBD-Produkten mit diesem Trägeröl gilt in erster Linie das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum.
Oxidiertes Öl schmeckt scharf und riecht ranzig. Dieser Geruch ist das zuverlässigste Signal, unabhängig vom Datum auf dem Etikett.
Der Unterschied zu CBD-Öl in einem Satz
Hanfsamenöl ist ein Speiseöl ohne Cannabidiol, CBD-Öl ist ein Hanfextrakt, der in einem Trägeröl gelöst wurde. Dieses Trägeröl kann Hanfsamenöl sein, muss es aber nicht.
Die Verwirrung entsteht durch Produktnamen wie „Hanföl", die für beides verwendet werden. Prüfen Sie deshalb immer die Zutatenliste und die Milligramm-Angabe. Wie Sie den zugehörigen Laborbericht lesen, erklärt Analysezertifikat lesen und prüfen.
Verwandte Themen
- CBD-Inhaltsstoffe im Überblick
- MCT-Öl als Trägeröl
- Nutzhanf: die Pflanze hinter CBD
- Die Hanfpflanze und ihre Bestandteile
- Alles zum Thema CBD im Überblick
Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Quellen
- 1.StudieHempseed as a nutritional resource: An overview — Euphytica (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 2.Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln — Europäische Union ()
- 3.FAQ Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) — Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ()