Pestizide in CBD: das Screening im Laborbericht
Bei der Extraktion wird Pflanzenmaterial stark aufkonzentriert. Fettlösliche Rückstände wandern dabei mit, deshalb steht das Pestizid-Screening in jedem vollständigen Laborbericht.
Geprüft von Bernard Vos am
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Kurz gefasst
- Extraktion verkleinert die Masse, dadurch fallen Rückstände im Extrakt stärker ins Gewicht.
- Ein Screening prüft einzelne Wirkstoffe, jeder mit eigenem Ergebnis und eigener Messgrenze.
- Wo kein eigener Wert gilt, greift im EU-Recht der Standardwert von 0,01 mg/kg.
Warum Rückstände im Extrakt stärker auffallen
Bei der Extraktion schrumpft die Masse, und fettlösliche Rückstände wandern mit in das Extrakt. Vielleicht kennen Sie den Effekt vom Einkochen einer Sauce. Das Wasser verdampft, der Geschmack bleibt und wird kräftiger.
Ein Rechenbeispiel macht das greifbar. Angenommen, aus 10 Kilogramm getrocknetem Pflanzenmaterial entstehen 500 Gramm Extrakt. Ein Rückstand verteilt sich danach auf ein Zwanzigstel der ursprünglichen Masse.
Entscheidend ist die Löslichkeit des Wirkstoffs. Viele Pflanzenschutzmittel lösen sich in Fett und folgen deshalb den Cannabinoiden. Wasserlösliche Stoffe bleiben eher im Rückstand des Pflanzenmaterials.
Untersuchungen an Cannabisrauch zeigten einen deutlichen Übergang von Rückständen in das konsumierte Erzeugnis (Quelle: Sullivan et al., 2013). Diese Arbeit betraf das Rauchen und nicht die Herstellung von Öl. Sie zeigt trotzdem das Grundmuster: Was am Pflanzenmaterial haftet, verschwindet bei der Verarbeitung nicht von allein.
Für das fertige Öl kommt eine zweite Verdünnung dazu. Das Extrakt wird mit Trägeröl auf die gewünschte Stärke gebracht. Der Wert pro Kilogramm sinkt dadurch wieder.
Aus welcher Pflanze das Material stammt, beschreibt Hanf als schnell wachsende Nutzpflanze.
Was ein Pestizid-Screening prüft
Ein Screening prüft eine feste Liste einzelner Wirkstoffe, nicht „Pestizide" als Sammelbegriff. Diese Liste heißt im Laborjargon Panel, und ihre Länge unterscheidet sich je nach Labor.
Übliche Panels reichen von rund 20 bis über 100 Wirkstoffen. Enthalten sind meist Insektizide, Fungizide und Herbizide. Jeder Wirkstoff steht mit eigenem Namen in der Tabelle.
Die Probenaufbereitung läuft fast immer nach dem QuEChERS-Verfahren. Der Name steht für ein schnelles Extraktionsverfahren mit Salzen und Lösungsmittel. Es trennt die Störstoffe der Probe von den gesuchten Wirkstoffen.
Danach folgen zwei Messverfahren. LC-MS/MS erfasst Stoffe, die sich gut in Flüssigkeit lösen. GC-MS/MS erfasst Stoffe, die sich verdampfen lassen.
Welche Wirkstoffe überhaupt in Frage kommen, hängt vom Anbau ab. Im Freiland sind Herbizide und Insektizide das Thema, im Gewächshaus eher Fungizide gegen Schimmel. Ein gutes Panel deckt beide Wege ab.
Ein Bericht mit nur einer Zeile „Pestizide: bestanden" ist deshalb dünn. Er nennt weder das Panel noch die Messgrenzen. Eine Liste mit Einzelwerten kostet mehr Platz und sagt mehr aus.
So lesen Sie die Pestizid-Tabelle
Die Tabelle hat vier Spalten: Wirkstoff, Ergebnis, Bestimmungsgrenze und Höchstgehalt. Angenommen, Sie scrollen im PDF an der langen Liste entlang.
In der Ergebnisspalte steht entweder eine Zahl oder ein Kürzel. Übliche Kürzel sind „n.n." für nicht nachweisbar und „< LOQ" für unterhalb der Bestimmungsgrenze. Beides meint dasselbe: unter der Messgrenze des Verfahrens.
Diese Messgrenze ist keine Null. Wie tief ein Verfahren reicht, hängt vom Wirkstoff und vom Gerät ab. Denselben Zusammenhang zeigt die Schwermetall-Prüfung im selben Bericht an einem zweiten Beispiel.
Am Ende der Liste steht häufig eine Zusammenfassung. Sie nennt die Zahl der geprüften Substanzen und die Zahl der Funde. Den Blick auf die Einzelzeilen ersetzt diese Angabe nicht.
Wie das Dokument insgesamt aufgebaut ist, erklärt das Analysezertifikat Zeile für Zeile.
Welche Höchstgehalte in der EU gelten
Für Pestizidrückstände gilt in der EU ein eigener Höchstgehalt je Wirkstoff und Erzeugnis. Wer eine Zahl im Bericht einordnen möchte, braucht diesen Rahmen.
Festgelegt sind die Werte in der EU-Verordnung 396/2005 über Rückstandshöchstgehalte. Für viele Kombinationen aus Wirkstoff und Lebensmittel steht dort ein eigener Wert. Fehlt ein solcher Wert, greift der Standardwert von 0,01 mg/kg.
Dieser Standardwert liegt an der unteren Grenze dessen, was Labore zuverlässig messen. Ein Rechenbeispiel ordnet ihn ein. Ein 10-Milliliter-Fläschchen wiegt etwa 9 Gramm, was rund 0,00009 Milligramm Wirkstoff im ganzen Fläschchen entspricht.
Für Hanfsamen führt die EU eigene Einträge. Für Extrakte aus Blüten und Blättern gibt es dagegen keine eigene Kategorie. Labore und Hersteller arbeiten deshalb mit dem Standardwert als Maßstab.
CBD-Öl ist rechtlich noch kein zugelassenes Lebensmittel. Kontrolliert wird trotzdem, denn die Lebensmittelüberwachung der Bundesländer prüft die Erzeugnisse im Handel. Das BVL koordiniert diese Linie auf Bundesebene.
Warum Bio-Anbau kein Freibrief ist
Ein Bio-Siegel begrenzt die eingesetzten Mittel, garantiert aber keine Rückstandsfreiheit. Wer bewusst zu Bio greift, sollte diesen Unterschied kennen.
Die EU-Öko-Verordnung regelt, welche Betriebsmittel ein Betrieb verwenden darf. Sie regelt nicht, was auf dem Nachbarfeld gespritzt wird. Wind trägt feine Tropfen über die Feldgrenze, im Fachjargon heißt das Abdrift.
Dazu kommen Altlasten im Boden. Manche Wirkstoffe bleiben über Jahre im Oberboden liegen. Eine Fläche kann nach der Umstellung also weiterhin Spuren tragen.
Ein zweiter Punkt betrifft die Verarbeitung. Zwischen Ernte und Abfüllung wechselt das Material oft den Betrieb. Jede Station bringt eine eigene Sorgfaltspflicht mit.
Ein Bio-Zertifikat und ein Laborbericht schließen sich nicht aus. Das Zertifikat beschreibt den Anbauweg, der Bericht beschreibt das Ergebnis. Erst zusammen ergeben sie ein Bild.
Woran Sie ein belastbares Screening erkennen
Ein belastbares Screening gehört zu einer einzelnen Charge und führt jeden Wirkstoff mit eigenem Ergebnis auf. Stellen Sie sich die Prüfliste wie ein Inhaltsverzeichnis vor.
- Substanzen namentlich gelistet: Jede Zeile trägt einen eigenen Wirkstoffnamen.
- Panel-Umfang genannt: Der Bericht sagt, wie viele Substanzen geprüft wurden.
- Messgrenze neben dem Ergebnis: Sie steht in der Tabelle, nicht nur im Vorwort.
- Methode benannt: Kürzel wie LC-MS/MS zeigen, womit gemessen wurde.
- Zuordnung zur Produktion: Der Bericht trägt dieselbe Nummer wie Ihre Flasche.
Ein Reinigungsschritt nach der Extraktion nimmt einen Teil der Begleitstoffe mit. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht, denn die Wirkstoffe verhalten sich sehr unterschiedlich. Wie das Extrakt entsteht, zeigt die CO2-Extraktion unter hohem Druck.
Ob der Bericht überhaupt zu Ihrer Flasche gehört, klärt die Chargennummer auf Flasche und Bericht. Welches Pflanzenprofil im Extrakt landet, ordnet Vollspektrum mit dem kompletten Pflanzenprofil ein.
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Häufige Fragen
Sind Pestizidrückstände in CBD-Öl erlaubt? Rückstände unterhalb der geltenden Höchstgehalte sind zulässig. Wo für einen Wirkstoff kein eigener Wert festgelegt ist, gilt im EU-Recht der Standardwert von 0,01 mg/kg.
Ist Bio-CBD frei von Pestiziden? Nicht zwangsläufig. Die Öko-Regeln steuern die eingesetzten Mittel, nicht Abdrift vom Nachbarfeld und nicht Altlasten im Boden.
Entfernt die CO2-Extraktion Pestizide? Nur teilweise. Ein Reinigungsschritt nimmt einen Teil der Begleitstoffe mit, aber nicht zuverlässig jeden Wirkstoff.
Wie viele Wirkstoffe prüft ein gutes Screening? Übliche Panels reichen von rund 20 bis über 100 Wirkstoffen. Wichtiger als die reine Zahl ist die Frage, ob jeder Wirkstoff mit eigenem Ergebnis aufgeführt ist.
Zuletzt geprüft am 14. August 2026 von Bernard Vos. Wie wir Inhalte prüfen, steht in den Redaktionsrichtlinien.
Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Arzt oder Apotheker.
Quellen
- 1.GesetzgebungVerordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln — EUR-Lex (). Abgerufen am 14. August 2026.
- 2.GesetzgebungVerordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion — EUR-Lex (). Abgerufen am 14. August 2026.
- 3.Offizielle StelleFAQ Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) — Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (). Abgerufen am 14. August 2026.
- 4.StudieDetermination of Pesticide Residues in Cannabis Smoke — Journal of Toxicology (). DOI: 10.1155/2013/378168. Abgerufen am 14. August 2026.
- 5.Experten / BrancheRedaktionsdossier: chargenbezogene Analysezertifikate der geführten Marken — CBDviva-Redaktion (). Abgerufen am 14. August 2026.