Chargennummer: gehört der Laborbericht zu Ihrer Flasche?

Ein Laborbericht ist nur so viel wert wie seine Zuordnung. Stimmt die Nummer im Dokument nicht mit der Nummer auf Ihrer Flasche überein, beschreibt er eine andere Produktion.

Geprüft von Bernard Vos am

Zuletzt aktualisiert am

Kurz gefasst

  • Eine Charge ist eine Produktion unter gleichen Bedingungen, mit eigener Nummer.
  • Jede Charge hat einen eigenen Laborbericht, denn das Ausgangsmaterial wechselt.
  • Stimmen die Nummern nicht überein, beschreibt der Bericht eine andere Produktion.

Was eine Charge überhaupt ist

Eine Charge umfasst alle Einheiten, die unter praktisch gleichen Bedingungen erzeugt, hergestellt oder verpackt wurden. Diese Formulierung stammt aus dem europäischen Lebensmittelrecht und gilt auch für CBD-Öl.

Vergleichen Sie es mit einem Blech Kekse. Derselbe Teig, derselbe Ofen, dieselbe Backzeit ergeben ein Blech mit gleichen Eigenschaften. Das nächste Blech beginnt mit neuem Teig.

Bei Öl entspricht ein Blech einer Abfüllung. Sie startet mit einer bestimmten Menge Extrakt und einem bestimmten Trägeröl. Alles, was in diesem Durchlauf abgefüllt wird, gehört zu einer Charge.

Im Deutschen taucht neben Charge auch das Wort Los auf. Beide Begriffe meinen dasselbe. Auf Verpackungen steht deshalb mal Chargennummer, mal Losnummer.

Wie groß eine Charge ausfällt, entscheidet der Betrieb. Kleine Manufakturen füllen einige hundert Flaschen ab, große Betriebe mehrere tausend. Die Größe steht nicht auf dem Etikett und lässt sich von außen nicht erkennen.

Warum jeder Bericht zu genau einer Charge gehört

Jede Produktion beginnt mit anderem Pflanzenmaterial, deshalb gilt ein Laborbericht immer nur für eine Charge. Wer regelmäßig nachbestellt, bekommt über die Zeit Flaschen aus verschiedenen Durchläufen.

Hanf ist ein Naturprodukt. Boden, Wetter und Erntezeitpunkt schwanken von Jahr zu Jahr. Der Cannabinoid-Gehalt eines Extrakts fällt deshalb nie exakt gleich aus.

Dazu kommen Unterschiede im Betrieb. Eine Extraktion läuft mit anderem Druck, eine Abfüllung mit anderer Verdünnung. Kleine Abweichungen summieren sich über die Kette.

Dass diese Abweichungen real sind, zeigen Marktuntersuchungen. Eine Stichprobe online verkaufter Produkte prüfte Öle, Kapseln und Liquids. Bei einem erheblichen Teil klaffte eine Lücke zwischen Etikett und Messwert (Quelle: Bonn-Miller et al., 2017).

Ein chargenbezogener Bericht ist die einzige Antwort darauf. Er beschreibt genau die Produktion, die in Ihrer Flasche steckt.

Wo die Nummer auf der Verpackung steht

Die Losangabe steht meist auf dem Flaschenboden, auf dem Etikettrand oder auf der Faltschachtel. Nehmen Sie Ihre Flasche in die Hand und drehen Sie sie einmal um.

Vorgeschrieben ist die Angabe durch das Lebensmittelrecht. Ihr wird der Buchstabe „L" vorangestellt, sofern sie sich nicht deutlich von den übrigen Angaben abhebt. In Deutschland setzt die Los-Kennzeichnungs-Verordnung diese europäische Vorgabe um.

Es gibt eine Ausnahme. Trägt die Packung ein Mindesthaltbarkeitsdatum mit unverschlüsseltem Tag und Monat, ersetzt dieses Datum die Losangabe. Manche Hersteller nutzen genau diesen Weg.

Die Codierung selbst darf der Hersteller frei wählen. Üblich sind Kombinationen aus Jahr, Monat und laufender Nummer. Ein Beispiel wäre „L2608-03" für die dritte Abfüllung im August 2026.

Aufgedruckt wird die Angabe oft mit einem Tintenstrahler. Sie ist klein, blass und leicht zu übersehen. Gutes Licht und eine Lupe helfen an dieser Stelle mehr als Geduld.

Für CBD-Kosmetik gelten eigene Regeln. Die europäische Kosmetikverordnung verlangt ebenfalls eine Chargennummer auf dem Behältnis. Bei sehr kleinen Verpackungen darf sie auf der Umverpackung stehen.

So prüfen Sie in drei Schritten

Die Zuordnung gelingt mit Flasche und Bericht nebeneinander in drei Schritten. Angenommen, Sie haben das PDF geöffnet und die Flasche vor sich.

  1. Nummer auf dem Produkt suchen: auf Flaschenboden, Etikettrand oder Faltschachtel.
  2. Kopfzeile des Berichts lesen: dort stehen Produktname, Füllmenge und Chargennummer.
  3. Beides vergleichen: Nummer, Produktname und Füllmenge müssen zusammenpassen.

Prüfen Sie im dritten Schritt auch das Prüfdatum. Es liegt idealerweise nah am Abfülldatum der Charge. Ein Bericht aus dem Vorjahr passt selten zu einer frisch gelieferten Flasche.

Angenommen, Sie haben zwei Fläschchen aus zwei Bestellungen im Schrank. Die Nummern unterscheiden sich, obwohl das Etikett gleich aussieht. Dann gehören zu diesen Flaschen auch zwei verschiedene Berichte.

Wie das Dokument inhaltlich aufgebaut ist, erklärt das Analysezertifikat Zeile für Zeile.

Wenn die Nummern nicht zusammenpassen

Vier Fehlerbilder tauchen in der Praxis immer wieder auf. Angenommen, Sie finden die Nummer aus Ihrem Bericht nirgends auf der Verpackung wieder.

Doppelte Nummern auf Schachtel und Flasche. Manche Hersteller kennzeichnen die Umverpackung getrennt. Maßgeblich ist die Angabe auf dem Behältnis mit dem Öl.

QR-Code führt auf eine Übersichtsseite. Der Code landet dann bei allen Berichten der Marke statt bei Ihrer Charge. Suchen Sie dort gezielt nach Ihrer Nummer.

Der Bericht beschreibt das Extrakt. In der Kopfzeile steht dann ein Rohstoff und keine Füllmenge in Milliliter. Ein solcher Bericht sagt wenig über das abgefüllte Öl aus.

Gar keine Angabe auffindbar. Fehlt sowohl die Nummer als auch ein vollständiges Mindesthaltbarkeitsdatum, ist die Kennzeichnung unvollständig. Fragen Sie in diesem Fall beim Anbieter nach.

Eine brauchbare Antwort besteht aus dem Bericht selbst. Eine allgemeine Zusicherung über die Qualität ersetzt ihn nicht. Bleibt das Dokument aus, fehlt die Auskunft weiterhin.

Woran Sie eine saubere Rückverfolgbarkeit erkennen

Saubere Rückverfolgbarkeit heißt: von der Flasche zum Bericht und zurück, ohne Umweg. Stellen Sie sich vor, Sie müssten diesen Weg in zwei Minuten gehen.

  1. Nummer gut lesbar: aufgedruckt, nicht überklebt und nicht verwischt.
  2. Bericht direkt auffindbar: über Produktseite oder QR-Code, ohne Anfrage.
  3. Kopfzeile vollständig: Produktname, Füllmenge, Nummer und Prüfdatum.
  4. Labor benannt: Name und Anschrift stehen im Dokument.
  5. Antwortzeit kurz: Auf Nachfrage kommt der Bericht innerhalb weniger Tage.

Eine fehlende Nummer ist kein Beweis für ein schlechtes Produkt. Sie macht die Prüfung aber unmöglich. Ohne Zuordnung bleibt jeder Messwert eine Angabe über eine fremde Flasche.

Die Rückverfolgbarkeit dient nicht nur Ihrer Kontrolle. Sie ist auch die Grundlage für einen gezielten Rückruf, falls eine Produktion auffällt. Die Lebensmittelüberwachung der Bundesländer arbeitet mit genau diesen Angaben, koordiniert über das BVL.

Welche Werte im Bericht stehen, zeigen die Schwermetall-Prüfung im selben Bericht und das Pestizid-Screening im Laborbericht. Warum die Werte zwischen Ernten schwanken, wird auf der Metall-Seite ebenfalls sichtbar. Die THC-Zeile nimmt Gesamt-THC im Laborbericht prüfen auseinander.

Produkte mit sichtbarer Chargenkennzeichnung finden Sie unter CBD-Öl mit Pipette. Die weiteren Prüfpunkte stehen in der Übersicht zur CBD-Qualität. Einen Einstieg in alle Themen gibt alles über CBD im Überblick.

Häufige Fragen

Was ist eine Charge bei Lebensmitteln? Eine Charge umfasst alle Einheiten, die unter praktisch gleichen Bedingungen erzeugt, hergestellt oder verpackt wurden. Sie trägt eine eigene Nummer und einen eigenen Laborbericht.

Muss eine Chargennummer auf der Verpackung stehen? Ja, mit einer Ausnahme. Trägt die Packung ein Mindesthaltbarkeitsdatum mit unverschlüsseltem Tag und Monat, ersetzt dieses Datum die Losangabe.

Reicht ein Laborbericht für alle Flaschen einer Marke? Nein. Jede Produktion beginnt mit anderem Pflanzenmaterial, deshalb braucht jede Charge einen eigenen Bericht.

Was tue ich, wenn die Nummern nicht übereinstimmen? Fragen Sie den Anbieter nach dem Bericht zu genau Ihrer Nummer. Bleibt eine Antwort aus, sagt auch das etwas über die Transparenz.

Zuletzt geprüft am 14. August 2026 von Bernard Vos. Wie wir Inhalte prüfen, steht in den Redaktionsrichtlinien.

Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Arzt oder Apotheker.

Quellen

  1. 1.GesetzgebungRichtlinie 2011/91/EU über Angaben oder Marken zur Identifizierung der Charge eines LebensmittelsEUR-Lex (). Abgerufen am 14. August 2026.
  2. 2.Offizielle StelleFAQ Hanf, THC, Cannabidiol (CBD)Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (). Abgerufen am 14. August 2026.
  3. 3.StudieLabeling Accuracy of Cannabidiol Extracts Sold OnlineJAMA (). DOI: 10.1001/jama.2017.11909. Abgerufen am 14. August 2026.
  4. 4.Experten / BrancheRedaktionsdossier: chargenbezogene Analysezertifikate der geführten MarkenCBDviva-Redaktion (). Abgerufen am 14. August 2026.