THC-Gehalt prüfen: Delta-9, THCA und Gesamt-THC

Im Laborbericht stehen meist zwei THC-Werte und eine Summe. Wer nur auf Delta-9-THC schaut, übersieht die Säureform und rechnet zu niedrig.

Geprüft von Bernard Vos am

Zuletzt aktualisiert am

Kurz gefasst

  • Ein Bericht nennt meist zwei THC-Werte: Delta-9-THC und die Säureform THCA.
  • Gesamt-THC ist die Summe aus Delta-9-THC und dem THCA-Wert mal 0,877.
  • Der Bezug zählt: ein Wert im Extrakt ist etwas anderes als im abgefüllten Öl.

Welche drei THC-Zeilen im Bericht stehen

Ein vollständiges Cannabinoid-Profil führt Delta-9-THC, THCA und häufig auch eine Summenzeile auf. Angenommen, Sie haben ein Analysezertifikat geöffnet und suchen die THC-Angabe.

Delta-9-THC ist die bekannte Form. Sie steht meist als „Δ9-THC" oder „Delta-9-THC" in der Tabelle. Bei einem regulären CBD-Produkt trägt diese Zeile einen sehr kleinen Wert.

THCA ist die Säureform aus der frischen Pflanze. Ausgeschrieben heißt sie Tetrahydrocannabinolsäure. In der Pflanze liegt der größte Teil des Wirkstoffs zunächst in dieser Form vor.

Die dritte Zeile trägt Namen wie „Gesamt-THC" oder „Total THC". Sie ist keine Messung, sondern eine Rechnung. Manche Labore lassen diese Zeile weg und überlassen Ihnen die Umrechnung.

Gemessen wird üblicherweise mit HPLC. Die Abkürzung steht für ein Trennverfahren mit Flüssigkeit unter Druck. Es lässt die Säureform intakt und zeigt sie deshalb als eigene Zeile.

Die Einheit wechselt zwischen den Laboren. Übliche Angaben sind Prozent, Milligramm pro Gramm oder Milligramm pro Milliliter. Ein Prozent entspricht dabei 10 Milligramm pro Gramm.

Warum der Faktor 0,877 in der Rechnung steht

THCA verliert bei Wärme ein Stück des Moleküls, und übrig bleiben rund 87,7 Prozent des Gewichts. Stellen Sie sich ein Paket vor, dessen Verpackung beim Öffnen wegfällt.

Das abgespaltene Stück ist Kohlendioxid. Dieser Vorgang heißt Decarboxylierung und läuft bei Hitze ab, etwa beim Erwärmen des Extrakts (Quelle: Wang et al., 2016). Wie der Schritt in der Produktion aussieht, beschreibt die Umwandlung der Säureform durch Wärme.

Der Faktor ergibt sich aus dem Gewicht der beiden Moleküle. THCA wiegt rund 358 Gewichtseinheiten, THC rund 314. Teilt man 314 durch 358, ergibt sich 0,877.

Die Rechnung lautet damit: Delta-9-THC plus 0,877 mal THCA. Genau diese Formel verwendet auch das EU-Lebensmittelrecht. Dort heißt das Ergebnis Delta-9-THC-Äquivalente.

Die gleiche Umrechnung gibt es an der CBD-Seite mit CBDA. Wie sich das auf Etiketten auswirkt, zeigt der Vergleich von Raw und decarboxyliert.

Zwei Beispiele Zeile für Zeile

Ein Rechenbeispiel zeigt, wie stark die Säureform das Ergebnis verschiebt. Wer nur die erste Zeile liest, kommt auf ein Zehntel des tatsächlichen Werts.

Zeile im BerichtBeispiel ABeispiel B
Delta-9-THCGemessen 0,03 Prozent.Gemessen 0,06 Prozent.
THCAGemessen 0,20 Prozent.Gemessen 0,30 Prozent.
Gesamt-THCErgibt 0,21 Prozent.Ergibt 0,32 Prozent.
EinordnungBleibt unter der Grenze.Liegt über der Grenze.

In Beispiel A steht in der ersten Zeile 0,03 Prozent. Die Rechnung ergibt aber 0,21 Prozent. Der Abstand zur Grenze ist also kleiner als der erste Blick vermuten lässt.

Beispiel B zeigt den umgekehrten Fall. Delta-9-THC liegt weiterhin sehr niedrig. Über die Säureform kommt das Gesamt-THC trotzdem über 0,3 Prozent.

Besonders deutlich fällt der Unterschied bei Raw-Produkten aus. Sie werden nicht erhitzt und tragen deshalb einen hohen THCA-Anteil. Bei erhitzten Extrakten ist die Säureform weitgehend umgewandelt.

Gerundet wird meist auf zwei Nachkommastellen. Kleine Rundungsunterschiede sind deshalb normal. Entscheidend bleibt der Abstand des Ergebnisses zur Grenze.

Extrakt und Endprodukt sind zwei Bezugsgrößen

Ein Prozentwert gilt immer für die Probe, die im Kopf des Berichts steht. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob dort ein Rohstoff oder ein abgefülltes Produkt genannt wird.

Ein Extrakt ist stark konzentriert. Für das fertige Öl wird es mit Trägeröl auf die gewünschte Stärke gebracht. Alle Cannabinoid-Werte sinken dabei im selben Verhältnis.

Ein Beispiel macht das greifbar. Ein Extrakt mit 30 Prozent CBD wird auf ein Öl mit 10 Prozent verdünnt. Damit sinkt auch der THC-Wert auf ein Drittel.

Erkennbar ist der Bezug an der Kopfzeile. Steht dort eine Füllmenge in Milliliter, beschreibt der Bericht das abgefüllte Produkt. Steht dort ein Rohstoff ohne Füllmenge, geht es um das Extrakt.

Welcher Extrakttyp überhaupt THC-Spuren mitbringt, ordnet Vollspektrum mit dem kompletten Pflanzenprofil ein.

Welche Grenze in Deutschland gilt

Für Produkte aus zertifiziertem Nutzhanf gilt in Deutschland eine Grenze von 0,3 Prozent THC. Nutzhanf sind zugelassene Hanfsorten mit sehr geringem THC-Gehalt. Wer eine Zahl aus dem Bericht einordnen möchte, misst sie an diesem Wert.

Die Grenze steht in der Nutzhanf-Definition des Konsumcannabisgesetzes von 2024. Der ältere Wert von 0,2 Prozent gilt als überholt. Einzelne Prüfstellen rechnen aus Vorsicht noch damit.

Für Lebensmittel auf Hanfsamen-Basis kommen absolute Höchstwerte in Milligramm pro Kilogramm dazu. Diese Werte stehen in der Verordnung (EU) 2023/915 und gelten unabhängig von der Prozentgrenze. Den vollständigen rechtlichen Rahmen beschreibt der THC-Grenzwert nach dem KCanG.

Im Straßenverkehr gilt eine ganz andere Messgröße. Kontrolliert wird dort der THC-Wert im Blutserum, also im flüssigen Anteil des Blutes. Warum Produktgrenze und Blutwert zwei Maßstäbe sind, steht unter CBD und Autofahren.

Woran Sie eine belastbare THC-Angabe erkennen

Eine belastbare Angabe nennt beide THC-Zeilen, die Bezugsgröße und die Charge. Stellen Sie sich vor, Sie müssten den Wert einem Prüfer erklären.

  1. Delta-9-THC und THCA getrennt: Nur so lässt sich das Gesamt-THC nachrechnen.
  2. Bestimmungsgrenze angegeben: Bei „nicht nachweisbar" gehört die Messgrenze dazu.
  3. Bezugsgröße klar: Kopfzeile nennt Extrakt oder abgefülltes Produkt.
  4. Chargennummer vorhanden: Der Wert gilt nur für diese eine Produktion.
  5. Prüfdatum nah an der Abfüllung: Cannabinoide verändern sich über die Lagerzeit.

Fehlt die Summenzeile, rechnen Sie selbst. Multiplizieren Sie den THCA-Wert mit 0,877 und addieren Sie Delta-9-THC. Ein Taschenrechner genügt dafür.

Vollspektrum-Produkte tragen naturgemäß THC-Spuren. Breitspektrum-Produkte und Isolate zeigen in dieser Zeile meist den Eintrag „nicht nachweisbar". Auch dieser Eintrag ist keine Null, sondern eine Aussage über die Messgrenze.

Ob der Wert zu Ihrer Flasche gehört, entscheidet die Chargennummer auf Flasche und Bericht. Wie das Dokument insgesamt aufgebaut ist, zeigt das Analysezertifikat Zeile für Zeile. Die Reinheitsseite desselben Dokuments nimmt die Schwermetall-Prüfung im selben Bericht auseinander.

Öle mit vollständigem Cannabinoid-Profil finden Sie unter CBD-Öl mit Pipette. Was sonst noch zur Beurteilung gehört, sammelt die Übersicht zur CBD-Qualität. Den Gesamtüberblick liefert alles über CBD im Überblick.

Häufige Fragen

Was bedeutet Gesamt-THC? Gesamt-THC ist die Summe aus Delta-9-THC und der umgerechneten Säureform THCA. Für die Umrechnung wird der THCA-Wert mit 0,877 multipliziert.

Ist THCA dasselbe wie THC? Nein. THCA ist die Säureform aus der frischen Pflanze. Erst Wärme wandelt sie in Delta-9-THC um.

Gilt der Wert für das Extrakt oder für das fertige Öl? Das steht in der Kopfzeile des Berichts. Ein Extrakt wird für das Endprodukt mit Trägeröl verdünnt, wodurch der Prozentwert sinkt.

Was tue ich, wenn die THCA-Zeile fehlt? Fragen Sie beim Anbieter nach dem vollständigen Cannabinoid-Profil. Ohne THCA-Zeile lässt sich das Gesamt-THC nicht nachrechnen.

Zuletzt geprüft am 14. August 2026 von Bernard Vos. Wie wir Inhalte prüfen, steht in den Redaktionsrichtlinien.

Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine Rechtsberatung und keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Medikamenten oder zu Ihrer Gesundheit wenden Sie sich an Arzt oder Apotheker.

Quellen

  1. 1.GesetzgebungKonsumcannabisgesetz (KCanG), § 1 Nr. 8 (Nutzhanf-Definition)Gesetze im Internet, Bundesministerium der Justiz (). Abgerufen am 14. August 2026.
  2. 2.GesetzgebungVerordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in LebensmittelnEUR-Lex (). Abgerufen am 14. August 2026.
  3. 3.Offizielle StelleFAQ Hanf, THC, Cannabidiol (CBD)Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (). Abgerufen am 14. August 2026.
  4. 4.StudieDecarboxylation Study of Acidic CannabinoidsCannabis and Cannabinoid Research (). DOI: 10.1089/can.2016.0020. Abgerufen am 14. August 2026.
  5. 5.Experten / BrancheRedaktionsdossier: chargenbezogene Analysezertifikate der geführten MarkenCBDviva-Redaktion (). Abgerufen am 14. August 2026.